Vor dem Urlaub klar Schiff machen am Arbeitsplatz? Der Wunsch ist verständlich – doch kann es der Gesundheit schaden, dann schnell noch übermäßig viel erledigen zu wollen: Es droht, berichten Arbeitspsychologen, die sog. Freizeitkrankheit.

Sie stellt sich pünktlich zu Urlaubsbeginn ein und sei recht typisch, erklärt Prof. Dr. Carmen Binnewies vom Institut für Psychologie an der Universität Münster in der Bundestags-Publikation „Das Parlament“. Der Grund dafür ist, dass der Körper in Stressphasen evolutionär bedingt schützende Hormone freisetze. Lasse die Hormonausschüttung im Urlaub dann nach, werde auch das Immunsystem schwächer. „Viele Arbeitnehmer überfordern sich regelmäßig vor dem Urlaub, weil sie unbedingt noch alles Mögliche schnell erledigen wollen. Das rächt sich dann“, mahnt Binnewies.

Urlaub könne auch keinen Burnout verhindern, erklärt sie. Ausgebrannte Menschen seien am Ende ihrer Kräfte und nach eigener Schilderung oft so müde, dass sie nicht mehr schlafen können. Sie hätten nicht mehr die Kraft, sich gut zu erholen. Aus psychologischer Sicht fehle es diesen Menschen an Selbstregulation: „In dem Fall hilft auch kein Urlaub, um aus dem Burnout, der oft von einer Depression begleitet wird, wieder herauszukommen.“ Es könne sogar sein, dass depressive Menschen erst dann, wenn sie zur Ruhe kommen, realisieren, wie schlecht es ihnen eigentlich geht.

Individuell erlebte Qualität im Urlaub entscheidend

Die Urlaubsforschung – ja, auch sowas gibt es –, zeige des Weiteren, dass es keinen großen Unterschied macht, ob man wegfährt oder nicht. Im Prinzip könne man sich zu Hause genauso erholen wie auf Reisen. Allerdings falle es Menschen leichter, auf Urlaubsreisen psychisch abzuschalten, weil viele neue Eindrücke entstehen. Andererseits sei nicht jede Reise auch erholsam, denn sie sind auch mit Stressfaktoren verbunden. „Am Ende kommt es auf die individuell erlebte Qualität des Urlaubs an“, berichtet die Psychologin.

Ständig berufliche Mails zu checken sei in diesem Zusammenhang eher kontraproduktiv, denn es erschwere das psychische Abschalten. Selbst private Kontakte nach Hause seien nicht gut für das erhoffte Abschalten vom Alltag. Im Urlaub sollte also gelten: Je weniger von solcher Kommunikation, desto besser.

Das vollständige Interview ist auf der Website des „Parlaments“ abrufbar.

Aktuelle Beiträge

BetriebsratsPraxis24 Newsletter
Holen Sie sich noch mehr Input für Ihre Betriebsratsarbeit.
Jetzt anmelden »
Jetzt abonnieren »
BetriebsratsPraxis24 Newsletter