Lärm ist nicht nur störend, er kann auch die Gesundheit gefährden. Besonders laute Betriebe müssen daher Lärm am Arbeitsplatz verringern. Aber auch normaler Bürolärm kann Arbeitnehmer belasten und ihre Arbeitsleistung verringern. Ob mehr Rücksicht bei Gesprächen, eigene Technikräume oder Büropflanzen – oft bringen schon einfache Maßnahmen Ruhe ins Büro.

Den Krach einer Hauptverkehrsstraße – ungefähr diese Lärmbelastung müssen Arbeiternehmer ertragen. Denn erst ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel sind Arbeitgeber verpflichtet, Lärmminderungsprogramme aufzulegen (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung). An allererster Stelle stehen hier technische Lösungen, also Lärm gar nicht erst entstehen zu lassen oder so weit wie möglich zu verringern. Dazu zählt nicht nur der Kauf leiserer Maschinen, sondern auch die Nachrüstung und Wartung alter Maschinen. Klappernde Abdeckungen, defekte Schalldämpfer oder eine verdreckte Anlage – all das sind unnötige Lärmquellen, die durch regelmäßige Wartung leicht behoben werden können. Auch eine Verbesserung der Raumakustik, etwa mittels lärmschluckender Dämmplatten an Hallendecken, kann den Lärm deutlich verringern. Grundsätzlich müssen Lärmbereiche deutlich gekennzeichnet werden. Beschäftigte dürfen sich dort nur aufhalten, wenn ihre Arbeit dies erfordert.

Technische Lösungen gehen vor

Sind die technischen Lösungen ausgeschöpft, können auch Veränderungen der Arbeitsorganisation die Lärmbelastung für Arbeitnehmer reduzieren. Hierzu zählen die Beschränkung der Arbeitszeit an lauten Maschinen oder die Einhaltung von Lärmpausen. Übersteigt die Lärmbelastung weiterhin 80 Dezibel, muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmern einen Gehörschutz zur Verfügung stellen. Dieser soll die Gefährdung des Gehörs beseitigen oder aber zumindest auf ein Minimum verringern. Denn nach wie vor sind in Deutschland laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fünf Millionen Frauen und Männer an ihrem Arbeitsplatz für das Gehör schädlichem Lärm ausgesetzt.

Die Folge: Seit Jahren gehört Lärmschwerhörigkeit zu den häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Arbeiter in der Stahl- und Autoproduktion, in Brauereien, der Holzwirtschaft sowie Musiker.

Bürolärm – keine Gefahr für die Ohren, aber für die Nerven

Auch wenn in Büroräumen der Lärmpegel das Gehör nicht schädigt, kann der ganz alltägliche Bürolärm belastend für die Angestellten sein. Ständiges Telefonklingeln, Drucker- und PC-Geräusche, laute Gespräche der Kollegen – selbst niedrige Lautstärkepegel können Stress verursachen, die Konzentration erheblich beeinträchtigen und die Arbeitsleistung der Beschäftigten verringern. Wie stark sich Lärm auf die Beschäftigten auswirkt, hat die BAuA untersucht.

Das Ergebnis: Die Testpersonen machten nicht nur deutlich mehr Fehler, je höher die Lärmbelastung in ihrem Umfeld war, sie benötigten auch mehr Zeit, um ihre Arbeit zu erledigen. Die Nebengeräusche lenkten die Angestellten ab, sie mussten ihre Zwischenergebnisse häufiger kontrollieren, wählten umständlichere Lösungswege und mussten ihre Arbeit öfters neu beginnen. Zudem stieg das Bedürfnis nach Erholungspausen um bis zu einem Viertel. Nahm die Schwierigkeit der Aufgaben sowie der Lärmbelastung weiter zu, tendierten die Versuchspersonen dazu, ihre Arbeit unvollständig zu lassen oder sogar ganz abzubrechen. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass mit zunehmender Lärmbelastung auch die Leistung der Büroangestellten sinkt.

Das sehen auch die Betroffenen selbst so. Eine großangelegte Studie aus dem Jahr 2010 unter Schweizer Büroangestellten ergab, dass sich mehr als die Hälfte der Angestellten von Gesprächen und Telefonaten der Kollegen in ihrer Arbeit gestört fühlten. In einer Befragung unter sechs süddeutschen Unternehmen gaben 70 Prozent der Beschäftigten an, dass Lärm und Ablenkungen ihre Arbeitsleistung verringern.

Das alles kann zu Stress, Anspannung und Ärger führen und im schlimmsten Fall ernsthafte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen des Verdauungssystems. Aus diesem Grund empfiehlt das BAuA einen maximalen Lärmpegel von 55 Dezibel in Büros. Dies entspricht in etwa der Lautstärke eines normalen Gespräches. Allerdings: Bei besonders schwierigen Aufgaben benötigen Beschäftigte auch ihre volle Konzentration. Dann sollte es im Büro nicht lauter als 35 bis 45 Dezibel sein.

Rücksicht, Organisation und Ausstattung – Wege zum leisen Büro

Auch wenn für Büros also keine eigenen gesetzlich festgelegten Lärm-Grenzwerte existieren, können sich Betriebsräte auf die Empfehlungen der BAuA berufen, wenn es darum geht, Büros und besonders Großraumbüros leiser zu gestalten. Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) legt in § 91 fest, dass der Betriebsrat “angemessene Maßnahmen zur Abwendung, Milderung oder zum Ausgleich” verlangen kann, wenn “Arbeitnehmer durch Änderungen der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufs oder der Arbeitsumgebung, die den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit offensichtlich widersprechen, in besonderer Weise belastet” werden.

Zudem verlangt die Bildschirmarbeitsverordnung, dass “dem Lärm, der durch die zum Bildschirmarbeitsplatz gehörenden Arbeitsmittel verursacht wird, Rechnung zu tragen” ist, “insbesondere um eine Beeinträchtigung der Konzentration und der Sprachverständlichkeit zu vermeiden.”

An erster Stelle sollten alle Mitarbeiter für das Thema Lärm am Arbeitsplatz sensibilisiert werden. Schließlich sind es vor allem die Gespräche der Kollegen, die von der eigenen Arbeit ablenken. Am Telefon etwas leiser sprechen und laute oder längere Gespräche in andere Zimmer verlegen, sind erste Schritte für ein leiseres Arbeitsumfeld. Laute Geräte wie Drucker, Kopierer und Fax gehören in eigene Zimmer und nicht in Büros, in denen gearbeitet wird. Auch muss zwischen einzelnen Arbeitsplätzen genügend Platz vorhanden sein. Wenn nötig sollten Arbeitsplätze mit lärmdämpfenden Trennwenden voneinander abgeschirmt werden. Diesen Effekt können auch Büropflanzen übernehmen.

Sinnvoll kann ebenfalls die Trennung von lauten und leisen Arbeitsplätzen, die Einrichtung von separaten Gesprächs- und Ruheräumen sein. Größere Maßnahmen betreffen die Ausstattung der Büroräume. Vor allem bei Neugestaltungen und Umbauten sollte bereits im Vorfeld darauf geachtet werden, Materialien zu verwenden, die Lärm besser dämpfen (Teppiche, Holz). Auch können schallschluckende Elemente an Decken und Wänden angebracht werden.Im Sinne des Initiativrechts kann der Betriebsrat diese Vorschläge dem Arbeitgeber unterbreiten. Sollte es zu keiner Lösung kommen, kann nach § 87 Abs. 2 BetrVG die Einigungsstelle angerufen werden.

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