Unsere Top-Inhalte!

Praxiskommentar BetrVG
Umfassend, praxisnah und leicht verständlich: Der bewährte Kommentar von Siebert/Becker!

Betriebsratslexikon
Betriebsratswissen von A bis Z!

Arbeitshilfen
Mehr als 1.000 Checklisten und Mustertexte.

Muster-Betriebsvereinbarungen
Mehr als 100 Musterbeispiele für Ihre Arbeit!

Betriebsvereinbarungen
Leitfaden, FAQ und Arbeitshilfen

BR-Schulungen
Leitfaden, FAQ und Arbeitshilfen

Neu im Betriebsrat
Ihr Einstieg in die Betriebsratsarbeit!

Arbeitsrechtslexikon
Immer auf der sicheren Seite mit mehr als 1.000 Stichwörtern.

Arbeitsschutz
Nicht bloß graue Theorie: Lexikon und Arbeitshilfen!

BWL für Betriebsräte
Grundlagen der BWL kompakt erklärt.

Gerichtsentscheidungen
Mit den Urteilen des BAG und der LAG im Volltext.

Wissen, Austausch, Vernetzung - Betriebsrätinnen auf Erfolgskurs

Braucht Deutschland eine allgemeine Frauenquote? Wie kann das Ziel "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" erreicht werden? Und wie können sich berufstätige Frauen untereinander besser vernetzen? Rund 200 Frauen waren nach Düsseldorf gekommen, um diesen Fragen beim ersten Betriebsrätinnen-Tag nachzugehen.

Betriebsrätinnen-TagOb Vorträge, Fachforen, Diskussionsrunden oder Vernetzungsbörse - der Betriebsrätinnen-Tag bot den Teilnehmerinnen zahlreiche Möglichkeiten, um sich gegenseitig auszutauschen und zu vernetzen. Natürlich standen dabei Fragen und Themen im Mittelpunkt, die vor allem Frauen im Berufsleben und der Arbeitswelt betreffen. Zur Tagung am 30. Oktober in Düsseldorf eingeladen hatten "Arbeit und Leben DGB/VHS NW" und der Verdi-Landesbezirk NRW.

Gleiche Rechte für Frauen

Meldungen über die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern sind leider fast schon an der Tagesordnung. Darauf wies auch NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens in ihrem Grußwort hin. Deutschland sei das Schlusslicht bei der Entgeltgleichheit. Hier müsse noch viel getan werden.

Aber auch die Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf nannte Steffens ein für sie wichtiges Ziel. Sie selbst wolle als Ministerin dazu beitragen, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. "Arbeitsessen am Abend lehne ich meistens ab", so Steffens. Erstens könne man die auch tagsüber und dann meist sogar effizienter einplanen. Und zweitens wolle sie abends zu Hause mit ihren Söhnen gemeinsam essen. Erste Erfolge sieht die Ministerin bereits: Immer häufiger werde sie von Leuten angesprochen, die ebenfalls von den gestrichenen Abendarbeitsessen profitieren und sich über mehr Zeit für die Familie freuen. Für Steffens steht fest: Die Strukturen müssen angepasst werden - auch in der Politik.

Und wie steht die Ministerin zum Thema Frauenquote? "Die Quote ist ein Instrument, um Veränderungen in der gesellschaftlichen Sichtweise zu erreichen",  sagt Steffens und betont, wie wichtig gemischt-geschlechtliche Teams sind, da in diesen sowohl Frauen als auch Männer ihren Blick in Entscheidungsprozesse einbringen können.

Auf den Punkt brachte dies eine weitere Rednerin, die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin:  "Gleichstellung bedeutet mehr als Nicht-Benachteiligung, sondern positive Veränderungen der Rahmenbedingungen."

Betriebsrätinnen-TagFachforen: Chancengleichheit im Betrieb

Frauenquote, Entgeltgleichheit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie familienfreundliche Arbeitszeiten waren die Themen, die in den Fachforen näher in den Fokus gerückt und diskutiert wurden.

Brauchen wir eine Frauenquote?

Seit mehr als 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung allerdings noch lange nicht verwirklicht. Die anhaltende Benachteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen steht damit im Widerspruch zum Grundgesetz und zum internationalen Recht. Ohne gesetzliche Vorgaben für Quoten in Vorständen und Aufsichtsräten geht es nicht mehr, so das Fazit des Fachforums zum Thema "Frauenförderung und Chancengleichheit im Betrieb". 

Entgeltgleichheit herstellen – aber wie?

Auch im Fachforum "Frauen verdienen mehr als sie bekommen" wurde deutlich, dass es noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern ist. Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdienten Frauen auch noch im Jahr 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer (Gender-Pay-Gap). Verantwortlich dafür sind laut Bundesamt vor allem die hohe Teilzeitquote von Frauen und die schlechtere Bezahlung in "frauentypischen" Berufen. Trotzdem: Deutschland liegt beim Gender-Pay-Gap  auch im europäischen am unteren Ende der Skala. Im Durchschnitt verdienten Frauen in Europa 16,4 Prozent weniger als Männer.

Doch was kann getan werden? Das Fachforum gab einige Antworten: Auf persönlicher Ebene  müsse das Tabu gebrochen werden, nicht über Geld zu sprechen. Frauen sollten aktiv in Bewerbungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen ein angemessenes Entgelt einfordern. Auf betrieblicher Ebene müsse mehr informiert und für das Thema sensibilisiert werden. Bei Eingruppierungen sollte darauf geachtet werden, dass gleiche und gleichwertige Tätigkeiten auch in dieselbe Entgeltgruppe kommen. Und auf politischer Ebene sollten Betriebe und Tarifparteien  gesetzlich verpflichtet werden, Entgelte zu überprüfen und für eine Entgeltgleichheit zu sorgen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt dem Bundestag bereits vor.

Prekäre Beschäftigung – ein Thema für Frauen!

Mit den Fragen "Was ist eine prekäre Beschäftigung?" und "Welche Aktivitäten gegen prekäre Beschäftigung sind möglich?" beschäftigte sich ein weiteres Diskussionsforum. Auch hier wurde deutlich: Unsichere und schlecht bezahlte Beschäftigung ist ein Thema, das Frauen besonders betrifft. Denn mittlerweile handelt es sich bei jedem fünften Beschäftigungsverhältnis auf dem deutschen Arbeitsmarkt  um einen Mini-Job - und zwei Drittel aller Mini-Jobber sind Frauen. Doch es kann etwas getan werden: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse können durch Mitbestimmung im Betrieb reduziert werden. Gleichzeitig müsse aber auch die Politik die Rahmenbedingungen verändern, um prekäre Arbeit zu vermeiden.

Persönliche Ressource stärken

Betriebsrätinnen-TagAuch das Thema Burnout kam auf dem Betriebsrätinnen-Tag zur Sprache. Zwar wird die Gefahr der schleichenden körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung von Arbeitnehmern in der Öffentlichkeit immer häufiger diskutiert, vergessen wird aber oft: Auch Betriebsräte sind gefährdet, an Burnout zu erkranken. Schließlich stehen Sie unter einer ganz besonderen Belastungssituation: Die Beschäftigten erwarten, dass sie alles tun, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Geschäftsleitung verlangt Entgegenkommen, um den Standort zu sichern. Und Gewerkschaften wollen, dass sich Betriebsräte ehrenamtlich engagieren und Kampagnen umsetzen.

Ratgeber empfehlen Sport, die Anwendung von Entspannungstechniken oder regelmäßige Arbeitsunterbrechungen, um dem Stress zu entkommen. Doch bei diesen Ratschlägen für die einzelne Person dürfe es beim Thema Burnout nicht bleiben, so die einhellige Meinung im Fachforum. Schließlich würden viele Beschäftigte wegen der im Betrieb herrschenden Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganistaion ein Burnout erleiden. Veränderungen müssten daher vor allem hier ansetzen.

Bei all dem Stress und Druck, dem Betriebsräte ausgesetzt sind, stellt sich natürlich oft die Frage: Warum mache ich das alles überhaupt? Welche persönliche Motivation habe ich für die eigene Betriebsratsarbeit? Für die Teilnehmerinnen beim Betriebsrätinnen-Tag stand fest: Sie wollen Verantwortung übernehmen, sich für einzelne Menschen einsetzen und gemeinsam im Team etwas erreichen. "Betriebsratsarbeit ist eine interessante Arbeit und es ist ein gutes Gefühl, gesehen zu werden," brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Das sind wohl auch die Argumente, mit denen neue Nachwuchskräfte gewonnen werden können.

Netzwerken nicht vergessen!

In der Abschlussdiskussion zum Thema "Von der Einzelkämpferin zur Netzwerkexpertin" diskutierten die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, die Betriebsratsvorsitzende der Portigon AG, Doris Ludwig, die Journalistin Michaela Böhm und Düsseldorfs Bürgermeisterin Gudrun Hock über die Notwendigkeit und den Aufbau von Netzwerken. Frau Hock gab den Zuhörerinnen hierzu drei Kriterien mit auf den Weg: "Erstens: Ein Netzwerk muss ein Ziel haben. Zweitens: Netzwerke müssen Erfolg haben, für sich und andere. Drittens: Netzwerke beruhen auf Gegenseitigkeit!"

In diesem Sinne war der erste Betriebsrätinnentag ein guter Baustein für den Aufbau von weiteren Frauen-Netzwerken.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Betriebsratslexikon: Aufgaben des Betriebsrats - Gleichstellung von Mann und Frau

Arbeitshilfe: Mustertext - Förderung der Gleichberechtigung von Arbeitnehmerinnen

Autorin
Claudia Filusch ist freie Redakteurin und u.a. für BetriebsratsPraxis24.de tätig. (Fotos: Arbeit und Leben DGB/VHS NW)

AGB | Datenschutz | Impressum | Leistungsschutzrecht | Copyright © 2017 Wolters Kluwer Deutschland GmbH


Luchterhand Fachverlag Logo
UAN_nv_1409
/fachwissen/