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Stressreport 2012: Jeder vierte macht keine Pause

Zeitdruck, zu viele Aufgaben, kaum Informationen: Der Stressreport 2012 zeigt, wann und warum Arbeitnehmer ihren Job als belastend empfinden.

Roter Stift schreibt das Wort Stress.Immer mehr Stress und Arbeitsdruck: 43 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind davon überzeugt, dass in den vergangenen zwei Jahren die Belastungen im Job zugenommen haben.

Das berichtet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in ihrem heute (29.01.1013) veröffentlichten "Stressreport Deutschland 2012", für den sie mehr als 20.000 Arbeitnehmern Fragen zu Arbeitsbedingungen, Beanspruchung und gesundheitlichen Beschwerden gestellt hat.

Doch in welchen Situationen empfinden Beschäftigte Stress? Und wie oft sind solche Stress-Situationen an der Tagesordnung in den Betrieben?

Stressfaktoren im Job

Die häufigste Stress-Situation für berufstätige Frauen und Männer ist das gleichzeitige Arbeiten an mehreren Aufgaben (Multitasking). Fast 60 Prozent aller Beschäftigten erleben dies häufig. Starker Termin- und Leistungsdruck setzt 52 Prozent aller Arbeitnehmer regelmäßig unter Stress, gefolgt von ständig wiederkehrenden Arbeitsprozessen (50 Prozent). Aber auch Arbeitsunterbrechungen (44 Prozent) und schnelles Arbeiten (39 Prozent) zählen zu den häufigen Stressfaktoren.

Doch nicht allein die Häufigkeit einer stressigen Situation entscheidet darüber, wie stark diese Mitarbeiter auch tatsächlich belastet. So geben Arbeitnehmer zwar nur zu 16 Prozent an, dass sie oft an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit arbeiten müssen. Aber ganze 74 Prozent empfinden eine solche Situation als besonders belastend. Unter enormen Stress fühlen sich Mitarbeiter auch dann, wenn ihnen wichtige Informationen zu spät oder gar nicht mitgeteilt werden.

Bemerkenswert: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz kennen offenbar keine Hierarchiegrenzen. Führungskräfte sind genauso betroffen wie deren Mitarbeiter.

Stress kennt keinen Feierabend

Hohe Arbeitsbelastungen und Stress im Job wirken sich zunehmend auch auf die Erholung und Freizeit der Beschäftigten aus: So lässt mittlerweile jeder vierte Arbeitnehmer seine Pause entfallen, obwohl diese gesetzlich vorgeschrieben und wichtig für die Gesundheit ist. Und fast die Hälfte aller Beschäftigten mit einer Vollzeitstelle arbeiten tatsächlich mehr als 40 Stunden in der Woche - rund 17 Prozent arbeiten sogar mehr als 48 Stunden pro Woche. Kein Wunder also, dass es mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer nicht oder nur selten gelingt, bei der Arbeitszeitplanung private oder familiäre Interessen zu berücksichtigen.

Nette Kollegen schützen vor zu viel Stress

Doch es gibt auch Positives zu berichten. In allen Branchen und Berufen berichten mindestens vier von fünf Erwerbstätigen über ein gutes soziales Klima am Arbeitsplatz: Kollegen unterstützen sich gegenseitig, arbeiten gut zusammen und fühlen sich einer Gemeinschaft zugehörig. Viele Beschäftigte können ihre Arbeit auch selbst planen und einteilen. Dies alles hilft Beschäftigten dabei, stressige Situationen besser zu meistern.

Die BAuA betont zudem, dass Arbeit grundsätzlich eine positive und psychisch stabilisierende Wirkung habe. So sei das psychische Wohlbefinden von Berufstätigen in aller Regel besser als bei Arbeitslosen. Eine positiv herausfordernde Arbeit ist förderlich für Gesundheit, Wohlbefinden und mentale Fitness, so die BAuA. Doch gerade darum sind Arbeitgeber stärker gefordert.

Die BAuA rät dazu, psychische Belastungen und Anforderungen stärker in den Blick nehmen und Vorsorgekampagnen umzusetzen. Wenn Chefs sehen, dass ihr Mitarbeiter zu viel Zeit im Büro verbringen und Pausen verstreichen lassen, müsse auch die Organisationskultur hinterfragt werden. Helfen können hier verbesserte Arbeitsabläufe, weniger Bürokratie, störungsfreie Arbeitszeiten, Trainings zum Zeit- und Stressmanagement und klare Regeln zur beruflichen Erreichbarkeit.

Kosten in Milliardenhöhe

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sagte anlässlich des Stressreports 2012, psychische Erkrankungen seien eines der drängendsten Probleme in der Arbeitswelt. Sie kosteten Unternehmen und Sozialversicherungen Milliarden. Allein 2011 habe es 59 Millionen Krankentage wegen psychischer Belastung am Arbeitsplatz gegeben.

"Leider machen sich noch viel zu wenige Betriebe Gedanken, wie sie ihre Belegschaft vor Stress und Burnout schützen können", bedauerte von der Leyen. Zwar seien deutsche Unternehmen spitze, wenn es um den Schutz vor körperliche Gefahren geht. "Doch jetzt ist es höchste Zeit, dass wir auch bei den psychischen Belastungen vorankommen", forderte die Ministerin.

Daher sei bis 2018 das neue Schwerpunktziel der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), die psychische Gesundheit bei arbeitsbedingten Belastungen zu stärken. Die GDA ist eine Aktion von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern, die für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sorgen will.

Keine gemeinsame Erklärung von Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaft

Vorerst gescheitert ist unterdessen eine gemeinsame "Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit" von Bundesarbeitsministerium, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der DGB spricht von einer Arbeitgeber-Blockade, die deutlich mache, wie wichtig es sei, die von den Gewerkschaften geforderte Anti-Stress-Verordnung einzuführen.

"Das Hauptproblem ist nämlich, dass zu viele Arbeitgeber den Arbeitsschutz vernachlässigen und zu wenig für gute Arbeitsbedingungen tun", so der DGB. So werden laut DGB nur bei neun Prozent der Beschäftigten Gefährdungsanalysen durchgeführt, die auch die psychischen Belastungen berücksichtigen. Der DGB fordert daher mehr Mitbestimmung und Sanktionen gegen Unternehmen, die das Arbeitsschutzgesetz nicht einhalten.

Der Arbeitgeberverband fordert zwar selbst, dass "notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation" umgesetzt werden. Eine neue Rechtsverordnung lehnen die Arbeitgeber aber konsequent ab. Eine solche sei weder sinnvoll noch notwendig. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt fordert vielmehr die Politik, Ärzte und Kassen auf, psychisch Erkrankten eine schnellere Hilfe zukommen zu lassen. Hundt nennt es einen unhaltbaren Zustand, dass Betroffene im Schnitt drei Monate auf ein Erstgespräch für eine psychotherapeutische Behandlung warten müssten.

Lesen Sie mehr zum Thema auf Betriebsratspraxis24.de:

Autor: Stephan Trinius, BetriebsratsPraxis24.de - mit Material von BAuA, DGB, BDA, BMAS

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