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Betriebsräte: Gut für die Aus- und Weiterbildung in Unternehmen

In Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme investieren, um den künftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken - nach dieser Philosophie handeln vor allem Unternehmen, in denen Betriebsräte die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Warum das so ist, erläutert für BetriebsratsPraxis24.de Klaus Berger vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Kalender mit dem Eintrag: Schulung. Foto: Joana Kruse - Fotolia.comBei der Planung, Einführung und Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen haben Betriebsräte eine Reihe von Beteiligungsrechten. Studien zeigen: Betriebe mit Betriebsräten verfolgen mit ihrer Ausbildung eher als andere Betriebe das Ziel, ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken. Seltener als bei Betrieben ohne Betriebsrat muss sich die Ausbildung bereits während der Ausbildung rentieren. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Weiterbildung. Mitbestimmte Betriebe bieten ihren Beschäftigten nicht nur häufiger Weiterbildung an, auch deren Beschäftigten machen hiervon öfter Gebrauch.

Zur Rolle der Aus- und Weiterbildung in der betrieblichen Mitbestimmung führte das BIBB Ende des Jahres 2011 eine schriftliche Befragung in Ausbildungsbetrieben durch. In 102 der insgesamt 328 beteiligten Ausbildungsbetriebe antworteten beide Betriebsparteien. Es handelt sich hier ausschließlich um Ausbildungsbetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die Tatsache, dass die Geschäftsleitungen dabei den Betriebsratsfragebogen, wie gewünscht, an die Interessenvertretung weitergeleitet hatten, lässt dabei bereits auf ein eher kooperatives Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat schließen.

Berufsbildung in der Mitbestimmung: ein weitgehend konfliktfreies Feld?

Die übergroße Mehrzahl der Befragten sieht bei der betrieblichen Aus- und Weiterbildung im Großen und Ganzen keinen Interessenkonflikt zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Während diese Aussage bei über der Hälfte der Geschäftsleitungen in den mittelgroßen Ausbildungsbetrieben mit 50 bis 499 Beschäftigten auf volle Zustimmung trifft, ist diese uneingeschränkte Zustimmung in den Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten nur bei einem guten Drittel der Geschäftsleitungen (36 %) anzutreffen (vgl. Abbildung).

Auch die Betriebsräte bestätigen, dass es bei Aus- und Weiterbildung praktisch keine Interessenkonflikte gibt, in den mittelgroßen Ausbildungsbetrieben fällt diese Einschätzung jedoch deutlich zurückhaltender als bei den Geschäftsleitungen aus.

Grafik BIBB zur Aus- und Weiterbildung

Auch der Aussage, dass in ihrem Betrieb Aus- und Weiterbildung Bestandteile eines strategischen Personalentwicklungskonzepts sind, stimmen die befragten Geschäftsleitungen und Betriebsräte mehrheitlich "voll und ganz" bzw. "eher" zu. Erwartungsgemäß äußern die Betriebsparteien in den Großbetrieben hier häufiger ihre Zustimmung als die Betriebsräte und Geschäftsleitungen mittelgroßer Betriebe.

Während jedoch die Mehrheit der Geschäftsleitungen (55 %) in den Großbetrieben uneingeschränkt die Aus- und Weiterbildung in ihrem Betrieb als Bestandteil eines strategischen Personalentwicklungskonzepts bezeichnen, teilen nur 38 % der Betriebsräte diese dezidierte Einschätzung.

Die insgesamt positive Einschätzung der Aus- und Weiterbildungssituation im eigenen Betrieb mag eine Ursache dafür sein, dass zumindest in den mittelgroßen Ausbildungsbetrieben nur eine Minderheit der Betriebsräte ihre Gestaltungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet nutzt und Verbesserungsvorschläge zur betrieblichen Aus- und Weiterbildung macht.

Vorrang haben eher andere Themen

Oft bestimmen jedoch andere Themen als betriebliche Aus- und Weiterbildung die Betriebsratsarbeit. So melden 52 % der Betriebsräte mittelgroßer Ausbildungsbetriebe, bei ihnen würden andere Themen mehr im Vordergrund stehen (Aussage "trifft voll und ganz zu": 8 % bzw. "trifft eher zu": 44 %). Auch für die Belegschaften dieser Betriebe ist Qualifizierung kein vorrangiges Betriebsratsthema. So meldet nur ein knappes Drittel ihrer Betriebsräte, dass sich Beschäftigte in Fragen der Weiterbildung häufig an sie wenden (Aussage "trifft voll und ganz zu": 8 % bzw. "trifft eher zu": 21 %).

In den Großbetrieben, in denen Betriebsräte aufgrund der Freistellungen ihrer Mitglieder über bessere personelle Ressourcen verfügen, gibt jeder dritte bis vierte Betriebsrat an, dass andere Themen als betriebliche Aus- und Weiterbildung Priorität haben. Dabei bezeichnen sechs Prozent dies als "voll und ganz zutreffend" und weitere 22 % als "eher zutreffend". Knapp vier von zehn Betriebräten melden, Kolleginnen und Kollegen würden sie häufiger bei Weiterbildungsfragen in Anspruch nehmen (Aussage "trifft voll und ganz zu": 6 % bzw. "trifft eher zu": 33 %).

Warum Betriebe mit Betriebsrat dennoch weiterbildungsaktiver sind

In Konkurrenz zu den Kernthemen der Betriebsratsarbeit hat Aus- und Weiterbildung keine hohe Priorität. Betriebsfallstudien, die das BIBB derzeit durchführt, zeigen, dass dieses Thema zwar als wichtig eingeschätzt wird, im Alltagsgeschäft der Betriebsräte jedoch oft zu kurz kommt. Warum besteht dennoch ein positiver Zusammenhang zwischen der Existenz eines Betriebsrats und den betrieblichen Aus- und Weiterbildungsaktivitäten?

Es ist anzunehmen, dass Betriebe mit überwiegend qualifizierten Facharbeitern und -angestellten sich zur Fachkräftesicherung eher in der Aus- und Weiterbildung engagieren und es auch diese Belegschaften sind, die sich eine kollektive Interessenvertretung wählen. Theoretische Ansätze zur betrieblichen Mitbestimmung besagen, dass die Existenz eines Betriebsrats dazu beiträgt, Beschäftigungsverhältnisse zu stabilisieren und die Personalfluktuation zu verringern. Für die Betriebe wird damit der Anreiz in Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter/-innen zu investieren erhöht. Auch die Beschäftigten sind dadurch motivierter, sich betriebsspezifisch weiterzubilden.

Autor
Klaus Berger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bonner Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und forscht dort im Arbeitsbereich "Kosten-Nutzen-Finanzierung".

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