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Berufsbildungsbericht 2012

Die Bundesregierung hat am Mittwoch (9. Mai 2012) den Berufsbildungsbericht 2012 veröffentlicht. Während die Regierung zufrieden Bilanz zieht und auch die Zukunft auf dem Ausbildungsmarkt positiv sieht, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor einer mangelnden Ausbildungsreife vieler Betriebe.

Das Wort Lehrstelle steht auf einer TafelDie Chancen sind gestiegen

Eine durchweg positive Bilanz zieht die Bundesregierung in ihrem Berufsbildungsbericht 2012. Im Ausbildungsjahr 2011 sind mit 570.140 fast zwei Prozent mehr Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden als 2010. Und erneut lag die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze (29.689) über der Zahl an Bewerbern, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben (11.550).

Und auch für die Zukunft hat die Bundesregierung  gute Nachrichten für alle Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Schon jetzt konnten laut Berufsbildungsbericht mehr als ein Drittel aller Betriebe eine oder mehrere Ausbildungsplätze nicht besetzen. Und bis 2030 wird die Altersgruppe der 17- bis 25-Järhigen um rund ein Fünftel schrumpfen. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen anhält. Mehr junge Menschen werden sich daher wohl für ein Studium statt einer dualen Ausbildung entscheiden.

 

"Alle Potentiale nutzen"

Betrachtet man also allein die Zahlen, steigen die Chancen für alle Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt. Ob aber tatsächlich jeder Jugendliche auch einen Ausbildungsplatz erhält, ist damit noch lange nicht gesagt. So klagen Arbeitgeber zunehmend über nicht "ausbildungsfähige" Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit schweren Kompetenzdefiziten in Lesen, Schreiben und Rechnen.

Aus diesem Grund wollen Bundesregierung und Wirtschaft ihren "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" bis 2014 fortsetzen. Der Schwerpunkt soll dann auf junge Menschen liegen, die es bislang nicht geschafft haben, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Mit speziellen Förderprogrammen sollen lernschwache Schüler gefördert werden und die Zahl der Schulabbrüche verringert werden. "Wir müssen alle Potentiale nützen, um den Fachkräftebedarf zu sichern", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan anlässlich der Vorstellung des Berichts.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sieht bereits erste Anzeichen, dass die Betriebe mittlerweile auch das Potential derjenigen erkannt haben, die vor wenigen Jahren auf dem Ausbildungsmarkt kaum Chancen hatten. So ist die Zahl der Jugendlichen in Maßnahmen des Übergangsbereichs - wozu etwa das Berufsvorbereitungsjahr oder Praktika gehören - in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Allerdings waren es 2011 immer noch rund 290.000 junge Frauen und Männer. Dass diese Zahl "immer noch hoch" ist, räumen selbst die Autoren des Berichts ein. Für die Zukunft aber rechnet das BIBB mit einem weiter steigenden Angebot an Ausbildungsstellen bei gleichzeitig immer weniger Bewerbern. Schon warnen Arbeitgeberverbände vor einem drohenden Lehrlingsmangel.

DGB: Mehr Bewerber als Stellen

Rosige Zeiten also auf dem Ausbildungsmarkt? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mag daran nicht so recht glauben. Nicht nur, dass im Jahr 2010 nur noch 22,5 Prozent aller Betriebe überhaupt ausbildetet. Auch sind 2011 mehr als 65.000 Jugendliche, die von der Bundesarbeitsagentur als "ausbildungsreif" eingestuft wurden, trotz expliziten Ausbildungswunschs in Warteschleifen zwischengeparkt worden. Zusammen mit den 11.550 unversorgten Jugendlichen stehen damit mehr als 76.000 junge Frauen und Männern ohne Ausbildungsplatz den gut 29.000 offenen Stellen gegenüber. Rein rechnerisch hätte so jede noch offene Stelle mehr als zweimal besetzt werden können.

Viele Betriebe nicht ausbildungsreif

Der von Arbeitgeberseite beklagten mangelnden Ausbildungsreife vieler Jugendlicher hält der DGB entgegen, zahlreiche Ausbildungsbetriebe seien selbst nicht ausbildungsreif. Konkret hat der DGB einen Vergleich von Berufen angestellt, die seit Jahren mit Nachwuchssorgen kämpfen und nicht mehr alle offenen Ausbildungsstellen besetzen können. Dazu zählen vor allem Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch Bäcker, Köche, Klempner, Fleischer und Gebäudereiniger.

Laut DGB weisen diese Berufe nicht nur eine überdurchschnittlich hohe Quote an offenen Stellen auf, sondern auch an vorzeitigen Vertragslösungen und Misserfolgen bei Prüfungen. Deutlich unterdurchschnittlich sei dagegen die Bezahlung. Während westdeutsche Auszubildende im Schnitt 708 Euro (im Osten: 642 Euro) erhielten, bekämen zum Beispiel Köche nur 620 Euro (im Osten:  499 Euro). Bei Fachkräften im Gastgewerbe seien es 587 Euro (West) bzw. 471 Euro (Ost) und bei Klempnern 453 Euro.

Der DGB wirft diesen Ausbildungsberufen erhebliche Mängel vor, die Fragen nach der Ausbildungsreife der Betriebe in diesen Branchen aufwerfen. "Wenn junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden und ihnen keine attraktiven Berufsperspektiven für die Zeit nach der Ausbildung angeboten werden,  bewerben sie sich in diesen Unternehmen auch nicht mehr", ist sich der DGB sicher.

Externer Link-Tipp:

Bundesbildungsministerium: Berufsbildungsbericht 2012

Text: Stephan Trinius

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