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Vor 80 Jahren: Zerschlagung der Gewerkschaften

2. Mai 1933: Nationalsozialistische Kommandos stürmen die Gebäude der freien Gewerkschaften, verhaften deren Funktionäre und beschlagnahmen das Gewerkschaftsvermögen. Die Arbeiterbewegung ist endgültig zerschlagen.

2. Mai 1933: Zerschlagung der GewerkschaftenAm 2. Mai 2013 jährt sich die Zerschlagung der Gewerkschaften zum achtzigsten Mal. In Hannover erinnerte DGB-Chef Michael Sommer an die Verfolgung und Ermordung tausender Gewerkschafter im Nationalsozialismus. "Denn nur wer sich erinnert, kann lernen", so Sommer. Und nur wer bereit sei, selbstkritisch das eigene Tun und das Handeln seiner Vorgänger zu bewerten, sei auch wachsam genug, um historische Fehler nicht ein zweites Mal zu begehen.

Zwischen Widerstand, Passivität und Anpassung

Ohne Zweifel: Auch wenn es gewerkschaftlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gab, und dieser laut dem Historiker Siegfried Mielke breiter war als bislang angenommen, haben die Gewerkschaften den Machtwillen der Nazis doch unterschätzt.

Zwar gibt sich der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) nach Hitlers Machtübernahme kämpferisch: "Keine deutsche Regierung wird die deutsche Arbeiterschaft und ihre Organisationen überwältigen können, weil sie ihren Geist nicht unterdrücken kann. Es wird auch dieser Regierung nicht gelingen." Gleichzeitig aber warnt er vor Aktionen gegen die neuen Machthaber, gibt die Parole vom passiven Reagieren.

Vor den Reichstagswahlen im März 1933 ruft der ADGB noch gegen die "soziale Reaktion" und "für Volksherrschaft gegen Diktatur" auf. Nachdem die NSDAP am 5. März mit 44 Prozent als stärkste Kraft aus den Wahlen hervorgeht, erklärt der ADGB aber seine politische Neutralität und sagt sich von den Zielen der SPD los, die drei Monate später verboten wird.

Das Ende der Mitbestimmung in den Betrieben

Trotzdem zeichnet sich bei den Betriebsratswahlen im März 1933 eine deutliche Mehrheit für die freien Gewerkschaften aus. Die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) erhält nur ein Viertel der Stimmen. Dem NS-Regime wird deutlich vor Augen geführt, dass es bei den Arbeitern in den Städten kaum Rückhalt genießt. Kurzerhand wird das Gesetz über Betriebsvertretung und wirtschaftliche Vereinigungen in Kraft gesetzt. Damit werden die Betriebsratswahlen ausgesetzt und Betriebsratsmitglieder, die eine staats- oder wirtschaftsfeindliche Einstellung haben, durch zuverlässigere Personen ersetzt.

Im April 1933 schließlich verkündet der ADGB, er wolle mit den neuen Machthabern "positiv" zusammenarbeiten. Der ADGB hofft, so einem Verbot zu entgehen. Andere Gewerkschaften wie der Allgemeine Deutsche Beamtenbund (ADB) , der Allgemeine freie Angestelltenbund (AfA) oder der Deutsche Lehrerverein (DLV) haben da schon längst ihre Loyalität mit den Nazis bekundet und sich als Mitglieder der Volksgemeinschaft selbst gleichgeschaltet.

Auf den Feiertag folgt die Zerschlagung

Der 1. Mai 1933 ist erstmals ein gesetzlicher Feiertag, an dem der Lohn fortgezahlt wird. Damit erfüllt sich eine zentrale Forderung der Gewerkschaften. Der ADGB ruft seine Mitglieder dazu auf, am "Feiertag der nationalen Arbeit" teilzunehmen. Der deutsche Arbeiter solle an diesem Tag ein vollberechtigtes Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft werden. Im ganzen Reich strömen hunderttausende Männer und Frauen zu den inszenierten Veranstaltungen der NSDAP.

Am nächsten Morgen, dem 2. Mai 1933, stürmen Mitglieder der Sturmabteilung (SA), der Schutzstaffel (SS) und der NSBO Häuser und Büros der freien Gewerkschaften. Die Aktion ist präzise vorbereitet. Das Vermögen der Gewerkschaften wird beschlagnahmt, führende Gewerkschaftsfunktionäre werden in "Schutzhaft" genommen. Viele werden misshandelt, in Duisburg werden vier Gewerkschafter ermordet. Wer nicht verhaftet wird, muss fortan unter Führung der NSBO weiterarbeiten. Bis Mai 1933 werden die Gewerkschaften verboten oder der neu gegründeten Deutschen Arbeitsfront (DAF) zwangseingegliedert.

Lehren aus der Geschichte

Achtzig Jahre später spricht DGB-Chef Michael Sommer von den Lehren aus den damaligen Ereignissen. Zu diesen gehört für Sommer auch die umfassende Gewerkschaftseinheit, in der sich "Frauen und Männer, Jung und Alt, Beamte, Arbeitnehmer, Angestellte, frei von Rassismus, unabhängig von Parteien, Kirchen oder weltanschaulicher Bindung" nur dem Wohl der arbeitenden Menschen in einer freien und demokratischen Gesellschaft verpflichtet fühlen. Und das nicht nur in einer nationalen, sondern europäischen und globalen Perspektive.

Screenshot www.zerschlagung-gewerkschaften1933.deLinktipp: Zerschlagung der Gewerkschaften 1933

Webseite des DGB in Zusammenarbeit mit der FU Berlin. Eine interaktive Chronik beleuchtet die Ereignisse des Jahres 1933, Biografien von 22 Personen zeigen unterschiedliche Perspektiven und 18 Berliner Erinnerungsorte lassen die Gewerkschaftsgeschichte in der Hauptstadt lebendig werden.

www.zerschlagung-gewerkschaften1933.de



Autor: Stephan Trinius

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