Wer im Homeoffice arbeitet und auf dem Weg von den Wohnräumen ins heimische Büro stürzt, erleidet zwar einen Unfall, aber keinen Arbeitsunfall. Daher ist der Verunfallte nicht über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. So hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen entschieden (Az.: L 17 U 487/19).

Geklagt hatte ein Gebietsverkaufsleiter, der versicherungspflichtig im Außendienst beschäftigt ist und seit mehreren Jahren regelmäßig im Homeoffice arbeitet. Der Kläger war auf dem Weg von seinen Wohnräumen in seine Büroräume eine Wendeltreppe hinunter gestürzt. Bei dem Sturz erlitt er einen Brustwirbeltrümmerbruch.

Bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik stellte er einen Antrag auf Entschädigungsleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Berufsgenossenschaft lehnte den Antrag ab. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass sich der Sturz „im häuslichen Wirkungskreis und nicht auf einem versicherten Weg“ ereignet habe. Es handele sich nicht um einen Arbeitsunfall.

Der Gestürzte klagte erfolgreich vor dem Sozialgericht Aachen. Die Beklagte ging in Berufung und hatte ihrerseits vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG NRW) Erfolg. Das erstinstanzliche Urteil wurde geändert und die Klage abgewiesen.

Begründet wurde die Entscheidung damit, dass es sich bei dem Weg in die Büroräume nicht um einen versicherten Betriebsweg gehandelt habe. „Der vom Kläger zurückgelegte Weg sei weder als Weg nach dem Ort der Tätigkeit gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII (wege)unfallversichert, noch als versicherter Betriebsweg anzusehen.“ Somit handele es sich nicht um einen Arbeitsunfall.

Der 17. Senat des LSG NRW verwies auf die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts. Danach könne ein Homeoffice-Beschäftigter innerhalb seiner eigenen vier Wände niemals „auf dem Weg nach und von dem Ort der Tätigkeit wegeunfallversichert sein“.

Auch einen Betriebsweg habe der Kläger nicht zurückgelegt. Bei Betriebswegen handele es sich „um Strecken, die in Ausübung der versicherten Tätigkeit“ absolviert werden müssten. „Vor- und Nachbereitungshandlungen fielen nicht darunter. Der Kläger habe den Weg zurückgelegt, um seine versicherungspflichtige Tätigkeit im Homeoffice am Unfalltag erstmalig aufzunehmen.“

Die Revision ist beim Bundessozialgericht anhängig (Az.: B 2 U 4/21 R).

Urteil des Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen vom 09.11.2020 (Az.: L 17 U 487/19).

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