Suboptimal sind die Bedingungen in den Kitas für Mädchen und Jungen unter drei Jahren: Im Westen reichen die Plätze nicht aus, im Osten fehlen die Fachkräfte. Werden jetzt die Weichen für die Zukunft gerichtet, könnte es um die frühkindliche Bildung in zehn Jahren besser bestellt sein. Diese Prognose wagt die Bertelsmann Stiftung in dem aktuellen Ländermonitoring “Frühkindliche Bildungssysteme”.

Die frühkindliche Bildung hängt hierzulande nicht zuletzt vom Bundesland ab: Die Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern bieten 53 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Platz in einer Kita oder einer Kindertagespflege. Im Westen reichen die Angebote gerade einmal für 31 Prozent der Kleinen.

Genau anders herum präsentiert sich die Personalsituation: Im Westen betreut durchschnittlich eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft 3,5 ganztagsbetreute Krippenkinder. Im Osten kümmert sich eine ausgebildete Vollzeitkraft um 5,5 Krippenkinder. Kindgerecht wäre aus wissenschaftlicher Sicht ein Verhältnis von einer Fachkraft zu drei U3-Kindern.

Diese Ergebnisse präsentiert die Stiftung aus Gütersloh in ihrem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme 2021. Dieser Report enthält neben den 16 Länderprofilen Analysen und Trends und ermöglicht Vergleiche der Bundesländer.

Erstmals vorgelegt haben die Experten außerdem den „Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule“. Diese Publikation macht deutlich: „Eine kindgerechte Personalausstattung und zugleich ausreichend Plätze in allen Kitas sind in diesem Jahrzehnt nicht mehr zu realisieren.“ Dafür gebe es nicht genügend Erzieher:innen, so die Autorinnen und Autoren.

Sie haben eine Lücke von mehr als 230.000 Fachkräften ermittelt, die auf dem Arbeitsmarkt zwischen dem vermutlichen Bedarf und dem voraussichtlichen Angebot klafft. Diese Lücke sei bis 2030 nicht zu schließen. Nicht einfacher werde die personelle Situation zudem ab 2026: Ab dann besteht für Grundschulkinder ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.

Dem Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse in der frühkindlichen Bildung kann dennoch ein Stück näher gekommen werden, glauben die Autorinnen und Autoren. Denn es bestehe „die realistische Chance, noch in diesem Jahrzehnt im Osten die Personalschlüssel an das Westniveau und im Westen die U3-Teilhabe an das Ostniveau anzugleichen“. Begünstigt werde dieses Teilziel durch rückläufige Geburtenzahlen.

Für Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, wäre es ein echter Durchbruch in der frühkindlichen Bildung, das Gefälle zwischen Ost und West bei Teilhabe und Qualität aufzulösen. Der Mangel an Fachkräften sei überwindbar. Helfen würden „attraktivere Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten“. Für ihn sollten sich ab sofort alle politischen Anstrengungen darauf konzentrieren. Ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen von Bund und Ländern könnte die Voraussetzung schaffen, den Fachkräftebedarf in allen Bundesländern zu decken, so Jörg Dräger.

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