Als er ein etwa 30 Kilogramm schweres Paket in sein Zustellfahrzeug heben wollte, erlitt ein Postbeamter einen Abriss der Bizepssehne. Die Berufsgenossenschaft erkannte darin keinen Dienstunfall und vermutete eine Vorschädigung. Vor dem Verwaltungsgericht (VG) Aachen scheiterte sie jedoch mit dieser Argumentation (Az.: 1 K 2167/21).

30 Kilo sind eine Menge Holz. Kein Wunder also, dass die beim Anheben des schweren Paketes erlittene Verletzung eine Operation sowie einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt für den Postmann nach sich zog. Ein fachärztliches Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass der Sehnenriss eine Folge des Unfalls war.

Dennoch lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung eines Dienstunfalls ab: Das Anheben eines Pakets sei nicht geeignet, den Riss der Sehne zu verursachen. Diese sei auf schwere Belastungen ausgelegt und könne ohne Vorschädigung nicht reißen. Somit liege eine unfallunabhängige Ursache vor.

Das Gericht bewertete den Unfall indes anders: Dem Gutachten zufolge war das Einladen des Pakets die wesentliche Ursache für den Sehnenriss. Weiterhin sei ihm zu entnehmen, dass der zeitliche Abstand zwischen Unfallereignis und erstem ärztlichen Kontakt regelhaft für eine frische traumatische Verletzung sei. Die MRT-Untersuchung habe außerdem keine wesentlichen Hinweise auf eine Vorschädigung der rechten Bizepssehne gezeigt. Des Weiteren sei die im Operationsbericht beschriebene Ausfransung der Sehne typisch für einen unfallbedingten Riss. Außerdem sei das Anheben eines 30 Kilogramm schweren Pakets mit einem Arm nicht mehr als eine tägliche Belastung einzustufen.

Für die Richter waren das mehr als genug Gründe, den Unfall als „verwirklichte spezifische Gefahr der Tätigkeit des Postbeamten“ einzustufen. Es handele sich hingegen gerade nicht um ein anlagebedingtes Leiden, das durch ein dienstliches Vorkommnis nur rein zufällig ausgelöst wurde und ebenso im privaten Bereich hätte auftreten können.

Urteil des VG Aachen vom 28.07.2022 (Az.: 1 K 2167/21).

Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden, über die das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen zu entscheiden hätte.

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