Das Jahr 2018 war aus tarifpolitischer Sicht ein gutes für Arbeitnehmer: Sie erhielten mehr Gestaltungsspielraum bei der Arbeitszeit und es gab kräftige Lohnzuwächse. Summa summarum konnte eine Umverteilung zugunsten der Arbeitseinkommen erzielt werden. Diese Analyse legt das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung in seinem tarifpolitischen Jahresbericht vor.

Die Tariflöhne und Tarifgehälter haben im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt im letzten Jahr nominal um 3 Prozent zugelegt. Gegenüber den Vorjahren 2017 und 2016, in denen mit 2,4 Prozent deutlich niedrigere Steigerungsraten verzeichnet worden sind, “hat die Lohentwicklung damit deutlich an Dynamik gewonnen”, heißt es aus dem Tarifarchiv. Der reale Lohnzuwachs, also die Differenz zwischen Nominalzuwachs und Preisanstieg, lag im letzten Jahr bei 1,1 Prozent.

Nicht nur kräftige Lohnzuwächse konnten die Gewerkschaften in der Tarifrunde 2018 durchsetzen, auch ist es ihnen gelungen “eine Renaissance der tariflichen Arbeitszeitpolitik” einzuleiten, fasst Professor Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, das letzte Jahr aus Tarifsicht zusammen: Ein “wichtiger Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung der Beschäftigten bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten”.

In vielen Branchen ist erstmals die Möglichkeit geschaffen worden, zwischen einer Lohnerhöhung oder freien Tagen zu wählen. Bei der Deutschen Bahn AG ist bereits zum zweiten Mal ein solches Wahlmodell vereinbart worden.

So erfreulich die Tarifbilanz insgesamt ist, so gibt es doch zwischen den Branchen große Unterschiede bei den Lohnsteigerungen: Am unteren Ende liegen die Textilindustrie (1,2 %) und die Finanzbranche (Banken 1,3 %, Versicherungen 1,8 %). Die Liste der Top Ten wird vom Bauhauptgewerbe (5,2 %), dem Gartenbau, der Land- und Forstwirtschaft sowie der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie (je 4,3 %) angeführt.

In der laufenden Tarifrunde verhandeln die DGB-Gewerkschaften Verbesserungen für rund 7,3 Millionen Beschäftigte.

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