Die Behandlung psychisch kranker Menschen erfolgt auf mehreren Ebenen: der körperlichen, der psychotherapeutischen und der psychosozialen. Wenig untersucht war bislang, welchen Stellenwert bei den Behandlungszielen die berufliche Wiedereingliederung hat. Dieser Frage haben sich Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gemeinsam mit externen Partnern angenommen.

Die Wiedereingliederung in das Berufsleben sollte für psychisch erkrankte Frauen und Männer im Erwerbsalter “ein Qualitätsindikator für eine erfolgreiche Behandlung sein”, heißt es in dem Bericht über die Studie im IAB-Magazin. Denn die Lebensqualität der psychisch Kranken verbessere sich durch die Aufnahme oder Wiederaufnahme der Berufstätigkeit.

Breit gefächert ist die Palette, wie das Thema Arbeit in die Behandlung eingebunden ist. Nach Angaben der Interviewten – 29 Behandlerinnen und 15 Behandler – reicht die Spannbreite von theoretischen Gesprächen über Arbeit bis hin zu ganz praktischen Unterstützungen, beispielsweise der Begleitung zum Jobcenter. Von den jeweiligen “persönlichen Problemlagen” würden Wünsche wie Ängste zusammenhängen, die Betroffene mit dem Komplex Arbeit verbinden.

Beobachtet wurde, dass bereits längerfristig Erkrankte sich weniger mit dem Thema Arbeit auseinandersetzten als neuerkrankte Personen. Für chronisch Kranke stünden tagesstrukturierende Maßnahmen oder die Möglichkeit eines Zuverdienstes zur Erwerbsminderungsrente häufig im Fokus des Interesses.

Die Erkrankten, die sich mit der Thematik Arbeit befassen, wünschten sich häufig Hilfen zur Orientierung, so die Studie. Denn die Erkrankung führe nicht selten zu Verunsicherungen oder zu Ängsten, den Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht mehr zu genügen. Ergänzt werden diese Ängste von dem Umgang mit der eigenen Erkrankung in der Arbeitswelt oder beispielsweise der Angst vor Diskriminierung.

Viele Erkrankten wünschen sich Unterstützung beim Umgang mit der Bürokratie – das betrifft nicht zuletzt den Kontakt mit Jobcentern. Wenn das Zurück in den ersten Arbeitsmarkt nicht möglich ist, sind Tagesstätten oder Werkstätten für behinderte Menschen eine Alternative. In den mehr als 600 Werkstätten in Deutschland liegt der Anteil der Beschäftigten mit einer psychischen Erkrankung mittlerweile bei über 20 Prozent.

An der Bedeutung von Arbeit und damit an dem Stellenwert der beruflichen Eingliederung lassen die Experten keinen Zweifel. Sie wissen, der Verlust von Arbeit ist oft mit einem Identitätsverlust verbunden. Entsprechend wichtig ist es, die berufliche Wiedereingliederung in der Behandlung psychisch kranker Menschen zu thematisieren und damit zu integrieren.

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