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24.11.2020

WSI-Verteilungsbericht: Corona-Pandemie verstärkt Ungleichheit zwischen den Einkommensgruppen

Die Ungleichheit zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen wird durch die Corona-Pandemie weiter verschärft: Je geringer das Einkommen der Beschäftigten ist, umso höher sind die jeweiligen Einbußen. Dieses Fazit zieht das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in seinem aktuellen Verteilungsbericht.

Geringverdiener sind bislang "fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohem Einkommen", heißt es aus dem WSI. Auch hätten diese Beschäftigten mit niedrigem Einkommen "zudem relativ am stärksten an Einkommen verloren".

Durch die Pandemie verschärfe sich ein Trend der letzten Jahre: Die Beschäftigten der oberen Einkommensgruppe konnten zwischen 2010 und 2017 ihr Einkommen um knapp 8 Prozent erhöhen. In der mittleren Einkommensgruppe stiegen die Einkommen um gut 7 Prozent. Die WSI-Forscher befürchten allerdings aufgrund der ihnen vorliegenden Daten einen drohenden Verlust bei den mittleren Einkommensgruppen. Im untersten Einkommensbereich sanken im Vergleichszeitraum die Löhne und Gehälter um rund 3 Prozent.

Damit die Ungleichheit nicht noch weiter zunimmt, müssten Schutzmechanismen "wie ein höheren Kurzarbeitergeld und eine längere Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I über 2020 hinaus bis zum Ende der Krise" schnell weiter gestärkt werden.

Ob die Pandemie tiefe gesellschaftliche Risse hinterlassen wird oder nicht, hängt für Professor Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, wesentlich von zwei Faktoren ab: Zum einen müssten die soziale Sicherung und Kollektivverträge, die Aktivposten der sozialen Marktwirtschaft, gestärkt werden. Zum anderen müssten Bezieher von geringen Einkommen besser als bisher gegen noch größere Einbußen geschützt werden.

Dr. Andreas Hövermann weist als Mit-Autor auf einen weiteren Aspekt hin, warum es wichtig ist, Geringverdiener besser vor den Folgen der Krise zu schützen: "Menschen, die durch Einkommensverluste belastet sind, beurteilen die politische und soziale Situation im Land deutlich kritischer". Außerdem seien sie empfänglicher für Verschwörungsmythen zur Pandemie.

Der Verteilungsbericht zeigt, dass die coronabedingten Einkommenseinbußen bisher im Durchschnitt bei 32 Prozent lagen. Der detaillierte Blick macht allerdings deutlich, dass die beiden Gruppen mit den niedrigsten Haushaltseinkommen (bis 1.500 EUR netto) mit Rückgängen von 49 Prozent und 41 Prozent am stärksten betroffen sind. Die Gruppen im mittleren Einkommensbereich (2.000 EUR bis 4.500 EUR netto) mussten Verluste von rund 31 Prozent hinnehmen. Am besten weggekommen sind die Bezieher mit Haushaltseinkommen über 4.500 EUR netto: Sie hatten gerade einmal einen Rückgang von rund 26 Prozent zu verkraften.

Auf Mausklick steht der "Verteilungsbericht 2020 - Die Einkommensungleichheit wird durch die Corona-Krise noch weiter verstärkt", von Bettina Kohlrausch, Aline Zucco, Andreas Hövermann, WSI Report Nr. 62, November 2020, hier zum Download bereit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Beate Henes-Karnahl.

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