Nachrichten für Betriebsräte!

(c) photocrew / fotoliaUm mit dem Arbeitgeber auf Augenhöhe zu bleiben, gilt es für Betriebsräte, aktuelle Entwicklungen im Arbeitsrecht, Arbeits- & Gesundheitsschutz und in anderen Bereichen zu verfolgen. BetriebsratsPraxis24.de bietet Euch/Ihnen daher täglich kostenlose und praxisnahe Nachrichten aus diesen Bereichen. So wird keine rechtliche Neuerung mehr verpasst und die Mitbestimmung im Betrieb bzw. Unternehmen erleichtert! Weitere Vorteile finden sich hier.

Aktuell, verlässlich, informativ: Unser kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über aktuelle Entwicklungen.

Photo: "Newsletter" / © photocrew (fotolia)


11.11.2020

Urteil: Auch bloßes Nachfassen kann aus Ausrutscher Arbeitsunfall machen

Immer wieder haben sich Gerichte mit der Frage auseinanderzusetzen, ob bestimmte Verletzungen als Arbeitsunfälle anzuerkennen sind oder nicht. Ein Bizepssehnenriss zählt nach Einschätzung des Landessozialgerichts (LSG) Darmstadt dazu - zumindest im Falle eines Steinmetzes. Der hatte bei einem 50-Kilo-Stein überraschend und schmerzhaft nachfassen müssen (Az.: L 3 U 155/18).

Der selbstständige Steinmetzmeister wollte den gewichtigen Findling an einen Kunden ausliefern. Da der Stein nass und glatt war, rutschte er ihm aus den Fingern. Beim Nachfassen riss ihm nach Angaben des Gerichts die körperferne Bizepssehne seines rechten Arms. Die Berufsgenossenschaft lehnte eine Anerkennung als Arbeitsunfall ab, weil es an einer äußeren Gewaltanwendung fehle. Dagegen klagte er mit Erfolg.

Das LSG stellte klar, dass Unfälle im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse seien, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führten. Hierfür sei kein besonderes, ungewöhnliches Geschehen erforderlich, vielmehr genüge beispielsweise auch ein Stolpern. Im konkreten Fall könne die erforderliche äußere Einwirkung in der Kraft liegen, die ein schwerer und festgefrorener Stein dem Versicherten entgegensetze. Daher sei ein Unfall anzunehmen - durch das überraschende Moment und die akute Kraft beim Nachfassen des Findlings.

Zudem sei der Bizepssehnenriss klar durch dieses Unfallereignis verursacht worden. Aufgrund der zusätzlichen akuten Krafteinwirkung, die über eine bloße willentliche Kraftanstrengung hinausgehe, sei von einem "geeigneten Unfallmechanismus" auszugehen. Der Steinmetz habe sofort danach seine Arbeit abgebrochen und sei im Krankenhaus operativ behandelt worden. Hinweise auf eine vorbestehende Verschleißerkrankung gab es laut eines vom Gericht eingeholten Sachverständigengutachtens nicht.

Urteil des Landessozialgerichts Darmstadt vom 18.08.2020 (Az.: L 3 U 155/18). Revision wurde nicht gelassen.

Vorinstanz: Urteil des Sozialgerichts Fulda vom 30.07.2018 (Az.: S 8 U 115/16),

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

AGB | Datenschutz | Impressum | Leistungsschutzrecht |  © F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH – Ein Unternehmen der F.A.Z.-Gruppe * Alle Rechte vorbehalten

UAN_nv_1409
/fachwissen/