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07.10.2020

Studie: Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung verdienen weniger und arbeiten länger

Beschäftigte, die in einem Unternehmen mit Tarifbindung arbeiten, verdienen nicht nur mehr, sondern haben auch bessere Arbeitsbedingungen als die Kolleginnen und Kollegen in Betrieben ohne Tarifbindung. Die Unterschiede beleuchtet eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Tarifbindung nimmt kontinuierlich ab: Arbeiteten im Jahr 2018 noch 54 Prozent aller Beschäftigten hierzulande in einem tarifgebundenen Betrieb, waren es 2019 nur noch 52 Prozent. Am schwächsten ausgeprägt ist die Tarifbindung mit 40 Prozent in Sachsen, die Nase vorn haben Betriebe in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit 60 Prozent.

Gemeinsam ist nach dieser Analyse allen Bundesländern, dass in nicht tarifgebundenen Unternehmen nicht nur das Entgelt niedriger ist und Sondergratifikationen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld eher selten sind, sondern auch die Arbeitszeit länger ist.

Für Vollzeitbeschäftigte ergibt sich durchschnittlich ein Verdienstunterschied in Höhe von 11 Prozent und ein Mehr an Arbeitszeit von 53 Minuten je Woche. Besonders betroffen von den Entgelt-Differenzen sind die Bundesländer im Osten, An der Spitze steht Sachsen-Anhalt mit einem Rückstand von 18,3 Prozent in Unternehmen ohne Tarifbindung gegenüber den tarifgebundenen Betrieben. Dicht auf folgt Brandenburg: Hier liegt das Minus monatlich bei 17,7 Prozent.

Für die Autoren der Studie lassen sich die geringeren Löhne in Ostdeutschland insbesondere mit "Defiziten bei der Tarifbindung" erklären. Dies würden viele Beschäftigte als ungerecht empfinden. Ermutigend seien jedoch Beispiele aus ostdeutschen Betrieben, in denen Beschäftigte sich organisiert und bessere Konditionen über Tarifverträge durchgesetzt hätten.

Die WSI-Forscher unterstreichen die Bedeutung von Tarifverträgen wie der Tarifautonomie. Voraussetzung dafür seien starke Gewerkschaften und handlungsfähige Arbeitgeberverbände. Auch die Regierung sei gefordert, die Tarifbindung zu stärken: Die Erleichterung von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen könne die Reichweite von bereits geschlossenen Tarifverträgen erhöhen. Außerdem könnten öffentliche Aufträge verknüpft werden mit Tariftreuevorgaben. Beispielhaft erwähnt werden das Berliner Landesvergabegesetz und die Richtlinien zur Wirtschaftsförderung in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Studie Nr. 87 der Reihe Elemente qualitativer Tarifpolitik, "Tarifbindung in den Bundesländern: Entwicklungslinien und Auswirkungen auf die Beschäftigten", von Malte Lübker und Thorsten Schulten, steht hier auf Mausklick zum Download bereit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Beate Henes-Karnahl.

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