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23.09.2020

30 Jahre Einheit: Studie untersucht Gleichstellung auf den Arbeitsmärkten in Ost und West

In Sachen Bildung, Erwerbstätigkeit und sozialer Anerkennung konnten die Frauen gegenüber den Männern seit der Wiedervereinigung einiges an Boden gut machen. Doch nach wie vor gibt es nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen Ost und West erhebliche Unterschiede bei der Gleichstellung. Das zeigt ein Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Frauen zwischen Alpenrand und Ostseestrand stehen mit ihren schulischen und beruflichen Qualifikationen längst auf Augenhöhe mit den Männern. Doch zeigt sich zwischen den Geschlechtern ein ungleiches Bild bei der Erwerbstätigenquote: Sowohl im Osten als auch im Westen ist diese bei den Frauen geringer als bei den Männern - auch wenn sie sich in den vergangenen Jahren ein Stück weit angenähert hat.

Im Rückblick auf das Jahr 2018 zeigt sich im Osten eine Erwerbstätigenquote der Frauen, die um rund 4 Prozent niedriger liegt als bei den Männern. Im Westen beträgt die Differenz zwischen Frauen und Männern gut 8 Prozent. Erreicht wurde diese Annäherung hier wie dort überwiegend durch ein Ansteigen der Teilzeitbeschäftigungen bei den Frauen.

Die bei den Frauen beliebte Teilzeitarbeit erklärt, dass die durchschnittliche Arbeitszeit der Frauen erheblich geringer ist als die der Männer. Im Westen liegt der Unterschied bei 9 Stunden, im Osten bei 5 Stunden. Als Grund für die längere Arbeitszeit im Osten wird in dem Report die intensivere Kinderbetreuung außer Haus angeführt. Dr. Aline Zucco, WSI-Forscherin und Co-Autorin der Studie, kommentiert die kürzere Arbeitszeit der West-Frauen damit, "dass Fortschritte bei der Gleichstellung sehr oft von Rahmenbedingungen abhängen, die am besten der Staat gestaltet". Und sie ergänzt: "Einfach auf einen ,Kulturwandel' zu vertrauen, reicht nicht".

In Ost und West ist der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern unverändert vorhanden. Im Westen liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen 21 Prozent niedriger als der der Männer. Im Osten ist die Differenz geringer. Die Frauen haben dort durchschnittlich 7 Prozent weniger auf dem Gehaltskonto als die Männer. Warum das so ist, erklärt die Studie nicht mit mehr Gerechtigkeit, sondern mit den niedrigeren Stundenlöhnen der Männer in Ostdeutschland im Vergleich zu ihren Kollegen im Westen.

In dem Report werden Empfehlungen ausgesprochen, wie mehr Gleichstellung zwischen den Geschlechtern erreicht werden kann. Ganz obenan stehen stärkere Anreize für die Männer, Sorgearbeit in der Familie zu übernehmen sowie der Ausbau der institutionellen Betreuung von Kleinkindern.

Mit Blick auf die WSI-Studie weist Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), darauf hin, dass es keine Alternative zur Umverteilung unbezahlter Haus- und Sorgearbeit mit Blick auf die Gleichstellung gibt. Sie erinnert auch die Regierungsparteien daran, endlich die Familien weiter zu unterstützen. "Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen würden Frauen ermutigen", so die DGB-Vize, "ihre Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen oder auszudehnen".

Der WSI-Report Nr. 60, "30 Jahre deutsche Einheit - Gleichstellung von Frauen und Männern auf den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland?" von Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Aline Zucco, steht hier auf Mausklick zum Download bereit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Beate Henes-Karnahl.

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