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05.08.2020

Studie: Lohnsteuerklasse V benachteiligt viele Frauen

Scharfe Kritik an den geltenden Lohnsteuerklassen-Regelungen üben drei Wissenschaftlerinnen in einer neuen Studie. So müssen Beschäftigte, die ihr Einkommen nach Klasse V (Verheiratete, geringeres Einkommen) versteuern, zahlreiche drastische finanzielle Nachteile im Vergleich zur Klasse III (Verheiratete, höheres Einkommen) hinnehmen. Zu rund 90 Prozent sind davon Frauen betroffen.

Die Autorinnen der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie sehen darin eine mittelbare Geschlechterdiskriminierung und somit einen Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgesetzes. Ihre These untermauern sie mit Zahlen: So gebe es in Lohnsteuerklasse V maximal 697 Euro weniger Krankengeld im Monat als in Lohnsteuerklasse III, obwohl ebenso viele Sozialbeiträge gezahlt wurden. Auch beim Bezug von Arbeitslosengeld I und Elterngeld seien die Unterschiede groß.

Grund dafür ist, dass Lohnersatzleistungen anhand des Nettoeinkommens berechnet werden. In Lohnsteuerklasse V reduzierten überproportional hohe Steuerabzüge das Netto. Der finanzielle Vorteil des Ehegattensplittings falle bei vielen verheirateten Paaren bei der Person in Steuerklasse III an, weil hier unter anderem die gemeinsamen Grundfreibeträge angerechnet werden. Demgegenüber zahle die Person in Lohnsteuerklasse V sogar einen Teil der Lohnsteuer in Steuerklasse III mit. "Die Vorteile der Steuerklassenkombination III/V für das monatliche Haushaltseinkommen werden durch Nachteile zulasten von Frauen erkauft", schreiben Ulrike Spangenberg, Gisela Färber und Corinna Späth.

Zwar gebe es mit der Lohnsteuerklasse IV für beide oder dem Faktorverfahren eine Alternative, die die Unwucht minimiert. Viele Paare blieben aber bei der traditionellen Aufteilung, weil das Steuersystem entsprechende Anreize setze. Zudem sei das Faktorverfahren für die Steuerzahlenden bürokratisch aufwendiger.

Die Autorinnen skizzieren schließlich, wie es ihrer Ansicht nach besser gehen könnte: durch Abschaffung der Steuerklasse V. Die bestehende Alternative, Steuerklasse IV oder das Faktorverfahren für beide Eheleute, würde die "geschlechtsbezogenen Nachteile bei der Berechnung der Lohnsteuer beseitigen". Lohnersatzleistungen sollten zudem generell anhand der Steuerklasse IV berechnet werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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