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27.07.2020

Vier-Tage-Woche: Nicht per se entspannter

Zahlreiche Mitarbeiter wünschen sich mehr Zeit für Privates. Einige Arbeitgeber sind daher dazu übergegangen, individuelle Regelungen für eine Vier-Tage-Arbeitswoche zu finden. Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken, wagte nun einen Vorstoß für eine flächendeckende Einführung einer solchen Möglichkeit. Ob sie tatsächlich besser für die Work-Life-Balance ist, wird jedoch bezweifelt.

Frei nach dem Motto: "Weniger arbeiten, mehr schaffen" berichtet Kipping aufgrund von Erfahrungen von "Pionierfirmen", dass die Vier-Tage-Woche Beschäftigte "glücklicher, gesünder und produktiver" mache. Auch jenseits der Arbeit benötigten Kindererziehung, Ehrenämter oder Hobbies Konzentration und Kreativität. Zu wenig Erholung aber lauge aus.

Die Linken-Chefin plädiert dafür, dass der Staat Unternehmen, die ihre Vollzeit-Arbeitszeit verkürzen, für ein Jahr einen Lohnzuschuss von entsprechend bis zu 25 Prozent zahlt. Nach dieser Anschubfinanzierung soll ein Arbeitszeitmodell mit einer Vier-Tage-Woche oder einer Höchstarbeitszeit von 30 Stunden verpflichtend werden, "ohne weitere staatliche Co-Finanzierung".

"Der Vorschlag klingt schön", sagt Thomas Rigotti, Arbeitspsychologe an der Universität Mainz, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Wenn die Mitarbeiter an den vier Tagen aber bis zur Erschöpfung arbeiten müssten, um ihre Aufgaben zu erledigen, trete kein Erholungseffekt ein. Er bräuchte dann den dritten freien Tag allein schon dafür, sich von dem vorherigen Stress zu erholen.

Dennoch lehnt er den Vorstoß nicht rundweg ab, da es auf die individuelle Umsetzung in den Unternehmen und genaue Absprachen mit den Arbeitgebern ankomme. Zu klären sei unter anderem Organisatorisches - etwa, ob der freie Tag gewählt werden kann. Außerdem nähmen in klassischen Bürojobs Selbstausbeutungstendenzen zu. Daher sei sicherzustellen, dass der zusätzliche freie Tag auch wirklich nicht für Arbeit genutzt werde. In einer Studie wurde zudem zwar eine höhere Zufriedenheit bei Mitarbeitern festgestellt, die nur vier Tage arbeiten. Nach einem Jahr war jedoch ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Immerhin: "Mit Kippings Konzept könnten alle ein bisschen weniger arbeiten, aber sie wären in Arbeit", so Rigotti.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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