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28.04.2020

Onlinehändler überprüft per Video, ob Abstandsregeln eingehalten werden: Sorge um Beschäftigte oder Überwachung?

Sorgt sich der Onlinehändler Amazon um die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Logistiklagern? Per Videokamera soll nach Angaben von Beschäftigten und Betriebsräten kontrolliert werden, ob die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden. Gewerkschaftsvertreter glauben dem Arbeitgeber die Sorge um die Arbeitnehmer nicht wirklich: Als Intention dieses Tuns mutmaßen sie vielmehr gezielte Überwachung.

Nach einer Veröffentlichung der WirtschaftsWoche sollen die Amazon-Beschäftigten per Videokameras kontrolliert werden - oder werden es teils schon -, ob die in der Pandemie gültigen Abstandsregeln auch eingehalten werden. Möglich gemacht werde diese Kontrolle durch ein Update der Software in den Kameras, die die Förderbänder etwa wegen Paketstaus im Blick haben. Alle Informationen stammen nach Angaben des Magazins von Mitarbeitern und Betriebsräten mehrerer Logistiklager.

Das Unternehmen weist nach dem Bericht darauf hin, eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen zu arbeiten, auch sei die Wirksamkeit seiner Maßnahmen "mehrfach bestätigt" worden. Als "zusätzliche Vorsichtsmaßnahme", wie ein Amazon-Sprecher formuliert, werde bei Schichtbeginn auch die Temperatur der Arbeitnehmer gemessen - mit Infrarotthermometer oder mit Wärmebildkamera.

Die Reaktion innerhalb der Belegschaft in den Logistiklagern des Onlinehändlers ist unterschiedlich: Manche Mitarbeiter und Betriebsräte wehren sich. So habe der Betriebsrat des Lagers in Leipzig sowohl die Videoüberwachung per Kamera als auch die Temperaturmessung abgelehnt.

Dem Arbeitsgericht Fulda liege eine einstweilige Verfügung eines Betriebsrats vom Standort Bad Hersfeld vor. Aus seiner Perspektive stellt "die Temperaturmessung eine Zutrittsbeschränkung dar und beschränke damit die Betriebsratsarbeit", so das Wirtschaftsmagazin.

Kritik an dem Onlinehändler übt auch die Gewerkschaft ver.di: Bislang habe sich das Versandunternehmen nicht durch großes Interesse an einem Arbeits- und Gesundheitsschutz ausgezeichnet. Deshalb wird vermutet, die Krise werde genutzt, um die Überwachung der Beschäftigten zu erweitern. Über das mitbestimmungspflichtige Softwareupdate der Kameras sei der Betriebsrat übrigens erst im Nachhinein informiert worden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Beate Henes-Karnahl.

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