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09.07.2018

Studie zu rechten Strömungen in Arbeitnehmervertretungen

In den vergangenen Monaten häuften sich Medienberichte über rechte Tendenzen in Gewerkschaften und Betriebsräten. Soziologen der Universität Jena haben diese Entwicklung nun wissenschaftlich untersucht. Obwohl der befürchtete Rechtsruck bei den Betriebsratswahlen 2018 ausgeblieben sei, beobachteten die Wissenschaftler, dass einige Arbeitnehmervertreter zunehmend rechtspopulistische Positionen vertreten.

"Zwar haben sich nur wenige Kandidaten gefunden, die sich während der Betriebsratswahlen auf Listen offensiv dazu bekennen, rechte Positionen zu vertreten", sagt Arbeitssoziologe Professor Dr. Klaus Dörre. Das bedeute jedoch nicht, dass sie nicht existieren. So hätten 19 Prozent der Arbeitnehmer und 15 Prozent der Gewerkschafter bei der Bundestagswahl 2017 für die AfD gestimmt. Bei einem Gesamtergebnis von 12,6 Prozent für die Partei sei das ein "deutlich überdurchschnittlicher Wert".

Die Studie zeige, dass die Anhänger rechtspopulistischer Positionen innerhalb der Arbeitnehmerschaft nicht mehr nur auf den Wahllisten zu finden sind, sondern auch unter bereits etablierten Mitgliedern von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen. Bei einer 2006 durchgeführten Erhebung war das bei aktiven Gewerkschaftern noch nicht zu erkennen.

Zudem müsse im Vergleich zur Vorgängerstudie festgestellt werden, dass "sich Anhänger der rechtspopulistischen Strömungen als die wahren Demokraten betrachten", so Dörre weiter. Begegneten sie dem demokratischen Parlamentarismus seinerzeit noch mit Vorbehalten, plädierten sie nun für mehr direkte Demokratie. In Ostdeutschland verstärkten zudem die andauernde Lohnungleichheit und die Veränderung der Bevölkerungsstruktur die Rechtstendenzen.

Die Gewerkschaften sind in einem Dilemma, sagen die Forscher: "Einerseits müssen sie befürchten, Mitglieder zu verlieren, wenn sie sich klar von rechtspopulistischen Positionen distanzieren." Machen sie es nicht, bestünden die rechtsorientierten Mitglieder möglicherweise verstärkt auf die politische Neutralität der Gewerkschaften - was für Druck von links sorgen dürfte. Dörre rät Arbeitnehmervertretungen, die Auseinandersetzung zu suchen und zu verdeutlichen, dass völkisches Gedankengut ein Sprengsatz für jede gewerkschaftliche Solidarität sei.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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