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23.06.2015

Beleidigung in einem vertraulichen Gespräch ist kein Kündigungsgrund

Erfährt ein Vorgesetzter auf dem Weg der Indiskretion von einer Beleidigung eines Mitarbeiters gegen seine Person, rechtfertigt das keine Kündigung. Denn ein Arbeitnehmer darf auf die Vertraulichkeit eines Gespräches vertrauen. So hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz entschieden (Az.: 3 Sa 571/14).

Grundsätzlich ist eine fristlose oder eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt, wenn ein Arbeitnehmer seinen Vorgesetzten grob beleidigt, führte das LAG Mainz in der Berufung aus. Denn durch eine grobe Beleidigung verletzte der Arbeitnehmer "seine arbeitsvertraglichen Rücksichtnahmepflichten in erheblicher Weise". Die Formulierung "autistisches krankes Arschloch" sei eine grobe Beleidigung.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Erfährt der Vorgesetzte von einer Beleidigung gegen ihn, die gar nicht zu ihm hätte dringen sollen, da sie vertraulich ausgesprochen worden war, liegt kein Kündigungsgrund vor.

Geschehen war folgendes: Ein Oberarzt hatte in einer SMS an eine Kollegin den Chefarzt als "autistisches krankes Arschloch" bezeichnet. Die Kollegin petzte, dem Oberarzt wurde ordentlich gekündigt. Dieser erhob Kündigungsschutzklage. Er argumentierte, mit der betreffenden Kollegin habe er ein eheähnliches Verhältnis geführt und hätte sich darauf verlassen, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt. Das Arbeitsgericht Trier gab dem Oberarzt Recht. Die Arbeitgeberin ging in Berufung.

Das LAG führte in der Urteilsbegründung aus, in der Äußerung des Oberarztes könne "keine Pflichtverletzung" gesehen werden. Es gelte Vertrauensschutz in vertraulichen Gesprächen. "Der Betriebsfrieden oder das Vertrauensverhältnis sei nicht durch die Äußerung an sich gestört worden, sondern durch die Missachtung der Vertraulichkeit durch die Kollegin". Die Kollegin habe sich unerwartet indiskret verhalten.

Urteil des LAG Rheinland-Pfalz vom 21.01.2015 (Az.: 3 Sa 571/14).

Dieser Beitrag wurde erstellt von Beate Henes-Karnahl.

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