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03.11.2014

Urteil: Unfallversicherung greift nicht nur bei schnellstem Weg zur Arbeitsstelle

Fällt ein Wegeunfall unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn der Geschädigte nicht die kürzeste Verbindung zur Arbeitsstelle wählt? Ja, urteilte das Sozialgericht Heilbronn, und gab damit einem Mann recht, der anstatt zur nächstgelegenen Haltestelle zu einer weiter entfernten gegangen war und dabei verunfallte (Az.: S 13 U 4001/11). Die Berufsgenossenschaft hatte die Zahlung zunächst verweigert.

Der im Kreis Ludwigsburg wohnende Kläger war im Februar 2013 auf dem Weg zur Arbeit beim Überqueren eines Zebrastreifens von einem Auto erfasst und auf den Gehweg geschleudert worden. Bei dem Unfall zog er sich mehrere Brüche im rechten Unterschenkel zu. Er war zu Fuß zu einer etwas mehr als einen Kilometer entfernten Bushaltestelle unterwegs, obwohl es eine nähergelegene gibt, die etwa 290 Meter von seinem Wohnort entfernt ist.

Da er sich aufgrund einer Herzerkrankung täglich bewegen muss, hatte er den Weg zur Arbeit mit einem Spaziergang zur weiter entfernten Haltestelle verbinden wollen. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall jedoch ab. Sie argumentierte, dass der Kläger auch von der nahegelegenen Haltestelle hätte abfahren können.

Dagegen wehrte sich das Unfallopfer vor Gericht - erfolgreich, wie aus einem mittlerweile rechtskräftigen Urteil aus dem Juli 2014 hervorgeht, das nun veröffentlicht wurde. Die Richter verurteilten die Berufsgenossenschaft, den Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen. Der Kläger hätte zwar tatsächlich die deutlich näherliegende Haltestelle nutzen können. Die Gesamtwegstrecke sei jedoch bei beiden Varianten ungefähr gleich.

Darüber hinaus könne sich ein Versicherter sein Fortbewegungsmittel frei aussuchen, erklärten die Richter. Er müsse auch nicht grundsätzlich die schnellste Fortbewegungsart wählen, um den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung auf dem Weg zur Arbeit zu genießen. Dass er diesen mit einem Spaziergang habe verbinden wollen, ändere nichts daran, dass er am Tag des Unfalls unmittelbar zu seiner Arbeitsstelle gelangen wollte.

Urteil des Sozialgerichts Heilbronn vom 23.07.2014 (Az.: S 13 U 4001/11).

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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