Die Schere zwischen den Erwerbseinkommen klafft immer weiter auseinander. Der Grund dafür liegt allerdings nicht primär in ungleicher werdenden Stundenlöhnen, sondern vielmehr im Umfang der geleisteten Arbeitszeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Treiber für die steigende Ungleichheit bei den monatlichen Bruttoerwerbseinkommen sind die Verschiebungen bei der Arbeitszeit sowie die Diskrepanz zwischen dem gewünschten und dem tatsächlichen Erwerbsumfang. Dies konstatieren die Autoren der Studie, die das Vierteljahrhundert von 1993 bis 2018 unter die Lupe genommen haben.

Nach der Analyse der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) „arbeiten Beschäftigte mit hohen Stundenlöhnen im Vergleich zu Beschäftigten mit geringen Stundenlöhnen heute mehr Stunden pro Woche als früher.“ Häufig würde sich die gewünschte Arbeitszeit nicht mit der tatsächlichen Arbeitszeit decken.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Problem

Beispielhaft angeführt werden Frauen mit Kindern, „die im Durchschnitt deutlich weniger Stunden erwerbstätig sind als sie eigentlich möchten.“ Zu dieser Gruppe zählen auch Berufseinsteigerinnen und Wiedereinsteigerinnen. Warum häufig Mütter unterbeschäftigt sind, erklären die Autoren mit einer „nicht hinreichenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, die „die beruflichen Perspektiven und Karrierewege von Müttern“ einschränke.

Könnten die Beschäftigten ihren Arbeitsumfang selbst festlegen, „wäre die Ungleichheit der Erwerbseinkommen in den vergangenen 25 Jahren nur halb so stark gestiegen“, sind Mattis Beckmannshagen und Carsten Schröder überzeugt.

Für die Untersuchung, wie sich die Ungleichheit entwickelt hat, haben die Autoren die Stundenlöhne, die Arbeitszeit und den Zusammenhang von beiden betrachtet. Das Ergebnis der Berechnungen ist deutlich. Lediglich 15 Prozent der gestiegenen Ungleichheit sind auf eine steigende Ungleichheit der Stundenlöhne zurückzuführen; 40 Prozent resultieren aus der zunehmenden Ungleichheit der Arbeitszeiten und „45 Prozent sind im wachsenden Zusammenhang von Stundenlohn und Arbeitszeit begründet.“

Soll die Ungleichheit der Erwerbseinkommen nicht weiter voranschreiten, tut Veränderung not. Als Lösungsansätze werden in der Studie „Entwicklung der Arbeitszeiten treibt die Ungleichheit der Erwerbseinkommen“ (zugleich: DIW Wochenbericht 33+34 2022) Betreuungsangebote für Kinder vorgeschlagen, die sich „noch mehr an den Bedarfen der Beschäftigten“ ausrichten, oder flexiblere Arbeitszeitmodelle, wie beispielsweise die Brückenteilzeit.

Aktuelle Beiträge

BetriebsratsPraxis24 Newsletter
Holen Sie sich noch mehr Input für Ihre Betriebsratsarbeit.
Jetzt anmelden »
Jetzt abonnieren »
BetriebsratsPraxis24 Newsletter