Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit geringen Löhnen – sog. Midijobber –  können künftig mehr verdienen können, bevor sie in vollem Umfang Sozialbeiträge zahlen müssen. Konkret steigt die Verdienst-Obergrenze für solche Arbeitsverhältnisse im Oktober von bislang 1.300 auf 1.600 EUR pro Monat. Zum Jahreswechsel soll der Wert dann erneut auf dann 2.000 EUR angehoben werden.

Grund für die erste Anhebung im Herbst ist die im Oktober in Kraft tretende Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 EUR. Da geringfügige Beschäftigte (Minijobber) ab diesem Zeitpunkt bis zu 520 EUR pro Monat verdienen dürfen, wurde auch die Grenze für Arbeitsverhältnisse im sog. Übergangsbereich (früher: Gleitzone) angepasst. Midijobs liegen dann vor, wenn das daraus erzielte Arbeitsentgelt zwischen 520,01 EUR bis 1.600,00 EUR im Monat beträgt und die Obergrenze nicht regelmäßig überschritten wird.

In einem zweiten Schritt soll die Grenze für Midijobs dann zum Jahreswechsel auf 2.000 EUR steigen. Das sieht das am Wochenende von der Ampelkoalition beschlossene “dritte Entlastungspaket” vor. Nach Angaben der Bundesregierung werden so “Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Lohnbereich um rund 1,3 Milliarden Euro jährlich entlastet, da sie deutlich weniger Beiträge für ihre Sozialversicherung zahlen”.

Sozialversicherungsbeiträge: Mehr für AG, weniger für AN

Zusätzlich gelten ab Oktober neue Vorgaben für die Betragsberechnung bei den Arbeitsvertragsparteien. Bislang zahlen Midijobber und Midijobberinnen anteilig weniger Sozialversicherungsbeiträge als Normalverdienende. Arbeitgeber müssen derzeit für die Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitragssatzes aufkommen, i.d.R. also 19,975 Prozent des Arbeitsentgelts.

Künftig setzt der Arbeitnehmerbeitrag nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums “zu Beginn des Übergangsbereichs bei null an – bisher waren es circa zehn Prozent – und steigt dann gleitend zur Obergrenze hin auf den regulären Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag von rund 20 Prozent”. Arbeitgeber müssen demnach fortan bei einem Arbeitsentgelt von mehr als 520 EUR – wie bei einem Minijob – einen Anteil von 28 Prozent zahlen. Dieser Beitrag fällt dann mit steigendem Entgelt “gleitend zur Obergrenze hin auf den regulären Arbeitgeberanteil ab”. Am unteren Ende der Einkommensskala im Übergangsbereich werden Firmen also künftig in puncto Sozialabgaben stärker belastet.

Mehr Netto vom Brutto?

Wie es im Regierungsentwurf des im Frühjahr beschlossenen Gesetzes dazu heißt, “folgt einem höheren Bruttolohn dann auch ein höherer Nettolohn bei einem im Vergleich zur bisherigen Rechtslage geringeren Einstiegstarif, so dass sich Mehrarbeit lohnt und ein überproportionaler Anstieg ihrer Beitragsbelastung vermieden wird”. So soll den Angaben zufolge auch vermieden werden, dass bislang geringfügig Beschäftigte – vielfach Frauen – “ihre Arbeitszeit nur deshalb zu begrenzen, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen”.

Im Arbeitgeberlager wurde im Vorfeld der Neuregelung der Midijobs Kritik laut. So bemängeln Firmen u.a. Einbußen bei der Flexibilität in puncto Personaleinsatz, berichtet etwa die Deutsche Handwerks Zeitung.

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