Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland ist erstmals seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hierzulande unter 20 Prozent gesunken. In Ostdeutschland war ein besonders deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Konkret ist der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten im Jahr 2019 auf 19,9 Prozent gesunken, berichtet das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. In besagtem Jahr lag die Niedriglohnschwelle bei 11,50 Euro brutto pro Stunde. Zum Vergleich: 2011 lag der Anteil noch bei einem historischen Höchstwert von 24,1 Prozent.

Das Autorenteam hebt besonders die Entwicklung in Ostdeutschland hervor: Dort hat sich der Niedriglohnanteil zwischen 2011 und 2019 von 39,4 auf 25,3 Prozent reduziert. Ein Grund dafür sei, dass in den meisten Branchen die zuvor unterschiedlich hohen tariflichen Verdienste in West- und Ostdeutschland inzwischen angeglichen wurden. In Westdeutschland arbeiteten 2019 noch 18,9 Prozent der Beschäftigten für weniger als 11,50 Euro brutto pro Stunde. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Zahlen immer noch deutlich über dem EU-Durchschnitt von rund 15 Prozent liegen.

Besonders häufig arbeiteten im Jahr 2019 Minijobber, unter 25-Jährige, Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung und befristet Beschäftigte für einen Stundenlohn unter 11,50 Euro. Auch fast 31 Prozent der Ausländer und ein Viertel der Frauen waren betroffen. Branchenspezifisch wurden Niedriglöhner vergleichsweise häufig im Einzelhandel, in der Gastronomie, in der Gebäudebetreuung, im Gesundheitswesen und im Bereich Erziehung und Unterricht beschäftigt.

Die Autorin und der Autor empfehlen eine einmalige deutliche Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns. Außerdem sollte die Bekanntheit von dessen Höhe in der Öffentlichkeit ihrer Auffassung nach gesteigert werden. Zudem plädieren sie dafür, die Minijobs in Deutschland zu reduzieren – etwa, indem sie nur noch von bestimmten Beschäftigtengruppen wie Schüler, Studierende und Rentner ausgeübt werden dürfen.

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