Azubis – Mitspracherecht des Betriebsrats bei Nebenjob?

Worum geht es?Eine unserer Auszubildenden möchte gerne eine Nebenjob ausüben. Sie bekam die Antwort der zuständigen Person im Hause, dass dies Ihre Schulleistungen negativ beeinträchtigen würde – also ein NEIN. Ich denke, Sie muss diesen Nebenjob zwar angeben, aber da Sie gut in der Schule ist und auch auf der Arbeit keine Minusstunden hat, ist vom Arbeitgeber kein Einwand vorhanden. Ist dies so richtig? Kann der Betriebsrat Ihr helfen?Das sagt der Experte!Grundsätzlich ist es so, dass es für Auszubildende kein Verbot einer Nebentätigkeit gibt. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Lernpflicht des Auszubildenden deutlich umfassender ist als die Arbeitspflicht des Arbeitnehmers. Besteht die Gefahr, dass die Lernpflicht durch die Nebenbeschäftigung beeinträchtigt werden könnte, kann der Ausbilder die Genehmigung verweigern.Der Betriebsrat könnte also zunächst einmal prüfen, um was für eine Nebentätigkeit es sich handelt und mit welchen Auswirkungen auf das Auszubildendenverhältnis denn zu rechnen wäre. Würde es sich z.B. um einen Nachtjob an einer Tankstelle an einem Sonntag handeln, dürfte der Ausbilder sicher ablehnen. Die junge Dame wäre ja Montags kaum fit. Anzugeben ist der Nebenjob in jedem Fall!Zudem sollte der Betriebsrat prüfen, ob sich die Arbeitszeiten des Nebenjobs mit den Bestimmungen des JArbSchG bzw. des ArbZG vereinbaren lassen. Die Arbeitszeiten im Ausbildungsverhältnis und aus der Nebenbeschäftigung werden addiert und dürfen die gesetzlich zulässigen Grenzen nicht überschreiten. Jugendliche dürfen grundsätzlich nicht mehr als 8 Stunden täglich und 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden.Zu prüfen wäre auch die Frage einer eventuellen Konkurrenztätigkeit, die natürlich unzulässig ist.Wenn aufgrund dieser Punkte keine Bedenken bestehen, könnte man ja eine Art Probezeit vereinbaren und abwarten, wie sich die schulischen und sonstigen Leistungen entwickeln.Bleibt der Ausbilder jedoch bei seiner Haltung, ist der BR letztlich nicht mehr zuständig. Es handelt sich dann um einen Individualanspruch, den die Auszubildende selbst durchsetzen müsste.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Antworten nur um eine kurze, erste Einschätzung des Sachverhaltes handelt und nicht um eine abschließende anwaltliche Beratung. Im übrigen gelten Nutzungsbedingen & Datenschutzerklärung des Expertenrat.

Aktuelle Beiträge

BetriebsratsPraxis24 Newsletter
Holen Sie sich noch mehr Input für Ihre Betriebsratsarbeit.
Jetzt anmelden »
Jetzt abonnieren »
BetriebsratsPraxis24 Newsletter