Die Pandemie hat tiefe Spuren im Ausbildungsmarkt hinterlassen: Erstmals ist die Gesamtzahl der Verträge für duale Berufsausbildungen im Jahr 2020 unter 500.000 gefallen – ein Minus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen ist das Land Berlin. Dort verringerte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber 2019 um gut 14 Prozent. Der Senat und die Sozialpartner wollen hier Abhilfe schaffen.

Diese Entwicklung sieht die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales mit Sorge – und bleibt offenbar nicht tatenlos. Mit Erfolg werde vielmehr versucht, die Betriebe zu unterstützen, wie das Online-Magazin EU-Schwerbehinderung weiß. Beispielhaft ist das Berliner Sofortprogramm „Ausbildungshotel“: eine gemeinsame Initiative der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Berlin-Brandenburg, des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes und der Senatsverwaltung. Die Initiatoren wissen um den Bedarf an Fachkräften in ihrer Branche und wollen dabei unterstützen, den Bedarf zu sichern.

Verwirklicht wird dieses Programm in Zusammenarbeit mit dem Abacus Tierpark Hotel und dem Hotel Albrechtshof. Insgesamt können bis zu einhundert Auszubildende in diesen beiden Häusern ihre praktische Ausbildung bis zum Abschluss absolvieren. Gedacht ist das „Ausbildungshotel“ insbesondere für Jugendliche, deren Ausbildungsbetriebe Insolvenz anmelden müssen oder nur noch eingeschränkt arbeiten können oder für junge Frauen und Männer mit einem Handicap beim Lernen.

Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, unterstreicht, dass „auch in schwierigen Zeiten“ qualitativ gute Ausbildungen abgesichert werden können. Auch verweist sie auf die Ausbildungsumlagen einzelner Branchen, die „eine Lösung für gute Ausbildungsqualität, eine sichere Berufsperspektive und gegen den Fachkräftemangel sein könnte“.

In der Baubranche werden mit der Ausbildungsumlage beispielsweise „Kosten der überbetrieblichen Ausbildung in den Ausbildungszentren und ein großer Teil der betrieblichen Ausbildungskosten finanziert“, heißt es im Online-Magazin „EU-Schwerbehinderung“.

Seit Jahren kommen die Berliner Betriebe ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verantwortung nicht mehr nach. „Nicht einmal die Hälfte der Betriebe, die formal ausbildungsberechtigt sind, bildet überhaupt aus“, konstatiert Senatorin Breitenbach. Sie verweist darauf, dass Ausbildungsmüdigkeit in den Betrieben nicht nur für die Jugendlichen ein Problem sei, die Interesse an einer dualen Berufsausbildung haben, sondern auch für die Betriebe selbst: Über kurz oder lang wird ihnen der Nachwuchs fehlen. Diesem zu erwartenden Mangel kann jetzt entgegengetreten werden.

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