Nicht nur Schulkinder und Studierende sind von der Covid-19-Pandemie stark betroffen, auch Auszubildende. Im Jahr 2020 wurden hierzulande sowohl weniger Jugendliche ausgebildet als auch weniger junge Menschen nach Abschluss der Ausbildung übernommen. Darauf verweist eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

Nach dem ersten Shutdown im Jahr 2020 sank die Übernahmequote in den Betrieben, die von der Pandemie wirtschaftlich negativ betroffen waren, im Vergleich zu den nicht betroffenen Branchen um 9,6 Prozent.

Was dies für die entsprechenden Betriebe bedeutet, bringt IAB-Forscherin Sandra Dummert auf den Punkt: „Einen Verlust ihrer Investition in die Ausbildung und eine mögliche Verschärfung des Fachkräftemangels, sobald sich die Wirtschaft nach der Pandemie wieder erholt.“

Verschlechtert hat sich pandemiebedingt auch die Lage für Schulabgängerinnen und Schulabgänger: In den von Corona-Maßnahmen betroffenen Betrieben ist die Wahrscheinlichkeit, weniger auszubilden um 7,7 Prozent angestiegen. Die Wahrscheinlichkeit neue Ausbildungsverträge abzuschließen, sank in den wirtschaftlich negativ betroffenen Betrieben um 6,7 Prozent.

Über alle untersuchten Ausbildungsbetriebe hinweg wurde ein großer Unterschied in der wirtschaftlichen Betroffenheit durch die Seuche zwischen den Wirtschaftszweigen beobachtet. Stark tangiert wurde die Gastronomie von den verordneten Schließungen, es folgten mit deutlichen Abständen die Branchen Transport/Lagerei sowie die verarbeitende Industrie. Die geringsten Auswirkungen hatte der Shutdown demnach in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, im Bergbau sowie im Baugewerbe.

Auch Schulabgänger betroffen

Negative Auswirkungen durch Nicht-Übernahme oder weniger Ausbildung verzeichnen neben den Betrieben natürlich die nicht übernommenen Absolventinnen und Absolventen einer dualen Ausbildung und die Jugendlichen, die vergeblich einen Ausbildungsplatz suchen. Als negative Möglichkeit werden für sie im Laufe ihres Berufslebens geringere Einkommenschancen oder auch das Risiko einer erhöhten Arbeitslosigkeit skizziert.

Deutlich anders präsentierte sich laut dem IAB-Kurzbericht 4/2022 nach dem Shutdown die Lage in den Betrieben, die nicht negativ von den Anti-Corona-Maßnahmen beeinflusst worden sind: In diesen Branchen stieg die Übernahmequote sogar leicht um 0,5 Prozent an. Die Wahrscheinlichkeit auszubilden, erhöhte sich um 1,4 Prozent. Allerdings reichen diese Plus-Werte noch nicht einmal rechnerisch aus, um die Negativ-Werte in den von der Pandemie betroffenen Branchen aufzufangen.

Die Analyse stützt sich auf Daten des IAB-Betriebspanels. An dieser Befragung nehmen jährlich rund 16.000 Betriebe teil.

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