Dauerhaft schlechter stellen sich Frauen und Männer, die in der Jugend ihre Berufsausbildung ersatzlos abbrechen: Sie verdienen deutlich weniger und haben kürzere Beschäftigungszeiten. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die auf dem Ausbildungspanel Saarland basiert.  

Ein formaler Berufsabschluss gehört zu den Garanten für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt. Das gelingt selbst mit dann, wenn die Ausbildung unterbrochen wird, aber in einer neuen Ausbildung ein Abschluss erworben wird.

Anders sieht es für die Frauen und Männer aus, die dem Ausbildungssystem ersatzlos den Rücken kehren. Diese Ausbildungsabbrecher verdienen fünf Jahre nach dem ersten Ausbildungsbeginn 5,3 Prozent weniger als die Personen, die die Ausbildung bis zum Abschluss durchlaufen haben. Dieser Lohnunterschied wird im Laufe der Zeit sogar noch größer: Zehn Jahre nach Beginn der ersten Ausbildung klettert er sogar auf 7,3 Prozent, so der IAB-Kurzbericht 18ǀ2021.

Junge Erwachsene, die ihren Ausbildungsvertrag zwar vorzeitig lösen, aber eine neue Ausbildung beginnen und diese mit Erfolg abschließen, haben vergleichbare Chancen und Einkommensmöglichkeiten im Arbeitsmarkt, wie diejenigen, die die Berufsausbildung gleich im ersten Anlauf durchziehen.

„Vorzeitige Vertragslösungen sind nicht per se mit Nachteilen verbunden“, haben die IAB-Forschenden festgestellt. Vielmehr würden Vertragslösungen die Möglichkeit einer neuen Orientierung bieten und damit einer anderen Ausrichtung des Berufslebens.

Das IAB teilt mit, dass nach dem Ausbildungspanel Saarland zwischen 1999 und 2002 jeder fünfte geschlossene Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst wurde. Der große Anteil von dieser Gruppe (15 %) verließ das Ausbildungssystem ohne einen formalen Berufsabschluss.

Eine neue Ausbildung starteten 4 Prozent und beendeten diese mit Erfolg. Diese sogenannten Unterbrecher haben aus Sicht der IAB-Forschenden die Chance genutzt, sich beruflich neu zu orientieren und so ihren Erwerbsverlauf anders auszurichten.

Da vorzeitige Vertragslösungen Nachteile für Betriebe und Auszubildende mit sich bringen, empfehlen Dr. Alexander Patzina und Dr. Gabriele Wydra-Somaggio, die Beratungsangebote in den Schulen zu erhöhen, um die Passung von Ausbildungen und Auszubildenden zu erhöhen. Hilfreich seien neben umfassenden Auskünften rund um die Ausbildungsberufe auch Informationen „über Folgen und Konsequenzen von Ausbildungsabbrüchen“.

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