Lange und bis vor kurzem galten Schulnoten in Personalabteilungen als das Nonplusultra für die Auswahl von Auszubildenden. Zensuren entschieden, wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde und wer nicht. Doch die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Auswahlkriterien: Zunehmend wichtiger als angesammeltes Schulwissen ist die Persönlichkeit der Azubis und Azubinen in spe, so Faktor A – Das Arbeitgebermagazin.

Drei Unternehmen werden in der Publikation Faktor A vorgestellt, für die schulische Leistungen nicht maßgeblich über den Abschluss eines Ausbildungsvertrags entscheiden. Jeder dieser Betriebe hat seine ureigensten Qualitätskriterien entwickelt, denen die Nachwuchskräfte in spe entsprechen sollen.

Im Möbelhaus Ikea gelten die Werte des Gründers beispielsweise als Richtschnur für die Rekrutierung der Auszubildenden. Ines Assmann-De la Obra, Mitarbeiterin aus der Personalabteilung, erläutert, dass zu diesen Werten etwa Gemeinschaft, Sorge um den Planeten, Einfachheit oder Kostenbewusstsein zählen.

Schon aus der Stellenausschreibung werde deutlich, dass die Bewerberinnen und Bewerber in ihrem Anschreiben darauf eingehen sollten, welche Unternehmenswerte sie teilen könnten. „Wir wollen herauslesen, welche Motivation, welche Leidenschaft den Bewerber, die Bewerberin, zu uns geführt hat.“

Jeder, der Lust auf körperliche Arbeit hat und gern im Team arbeitet, bekommt bei der internationalen Spedition Zapf eine Chance. Dieses Unternehmen bildet Schulabgänger zur Fachkraft für Möbel-, Küchen und Umzugsservice aus. Um herauszufinden, ob die jugendlichen Bewerber die Ausbildung bewältigen können, hat der Betrieb einen Test entwickelt, der den hauseigenen Anforderungen entspricht. Denn ohne ein Mindestmaß an technischem Verständnis, grundlegende Rechenkenntnisse und räumlichem Vorstellungsvermögen geht es nicht.

Überzeugt der Bewerber oder die Bewerberin dann auch im Gespräch, dann steht der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag nichts mehr im Wege, berichtet Sven Reinholz, Chef der Spedition in Berlin.

Einen noch ungewöhnlichen Weg bei der Auswahl von künftigen Fachkräften hat das Elektronikunternehmen Bürkle + Schöck eingeschlagen: Dort wird auf das anonymisierte Bewerbungsverfahren gesetzt. Alle persönlichen Informationen inklusive der Schulnoten werden in den ersten Runden im Auswahlverfahren ausgeblendet.

Geschäftsführer Stefan Bürkle berichtet von dem standardisierten Fragebogen auf der hauseigenen Webseite. Dieser ist von Interessierten auszufüllen. Abgefragt werden „vor allem die Motivation und eine Einschätzung der eigenen Kompetenzen und Stärken“.

Zum Vorstellungsgespräch werden Personen eingeladen, aus deren Antworten „ein aufrichtiges Bemühen und ein Interesse an der Firma“ zu erkennen ist. In die engere Auswahl kommen diejenigen, die in einem Test bewiesen haben, dass sie ihre „Ausbildung im schulischen Bereich bewältigen“ können.

Zeigen sich in diesem Test Schwächen, aber ansonsten konnte die Bewerberin oder der Bewerber überzeugen, dann steht dennoch einem Ausbildungsvertrag nichts entgegen: Das Unternehmen bietet professionelle Nachhilfe an, unterstützt also bei dem Bewältigen des Lernstoffs.

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