Die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen gehen nach wie vor weit auseinander – und reichen von 325 bis zu 1.580 EUR im Monat. Zu den größten Einflussfaktoren für ihre Höhe zählen die Branche und die Region.

Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Für diese wurden 20 ausgewählte Tarifbranchen berücksichtigt. Azubis im thüringischen Friseurhandwerk erhalten demnach im ersten Ausbildungsjahr eine Vergütung von lediglich 325 EUR pro Monat. Im westdeutschen Bauhauptgewerbe können Auszubildende im vierten Lehrjahr dagegen mit fast dem Fünffachen rechnen, nämlich 1.580 Euro.

„Die großen Unterschiede haben vor allem etwas mit der unterschiedlichen Verhandlungsposition der Gewerkschaften zu tun“, erklärt Professor Dr. Thorsten Schulten vom WSI-Tarifarchiv. So würden die Ausbildungsvergütungen in der Regel im Rahmen der allgemeinen Lohnverhandlungen vereinbart. Zudem gebe es mittlerweile in vielen Branchen einen zunehmenden Fachkräftemangel, der den Anpassungsdruck in Richtung auf bessere Ausbildungsbedingungen erhöhe.

Hinsichtlich der untersuchten Tarifbranchen werden die höchsten Ausbildungsvergütungen mit rund 1.160 EUR derzeit für die Pflegeberufe gezahlt. Allerdings gelten sie verbindlich nur für öffentliche Einrichtungen. Innerhalb der Tarifverträge des öffentlichen Dienstes gibt es außerdem mittlerweile gesonderte Regelungen, mit denen auf den akuten Fachkräftemangel in diesem Bereich reagiert wurde. „In privaten Pflegeeinrichtungen ohne Tarifvertrag kann die Ausbildungsvergütung hingegen auch deutlich geringer ausfallen“, heißt es beim WSI weiter.

Generell sind die Ausbildungsvergütungen im öffentlichen Dienst im Vergleich der untersuchten Tarifbranchen hoch, ebenso in der chemischen Industrie sowie der Metall- und Elektroindustrie. Die geringsten Ausbildungsvergütungen werden indes im Bäckerhandwerk (645 EUR), in der Floristik (634 EUR in West- und 425 EUR in Ostdeutschland) und eben im Friseurhandwerk (575 EUR in Nordrhein-Westfalen und 325 EUR in Thüringen) gezahlt. Die großen Unterschiede zwischen den Branchen setzen sich auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr fort.

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