Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt: Zum einen gibt es nicht genügend geeignete Bewerbungen, zum anderen haben die Betriebe ihr Angebot an Ausbildungen verkleinert. Eine Erholung am Ausbildungsmarkt wird folglich ausgebremst, so eine Analyse aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit (BA).

Aktuelles Ergebnis der Engpässe auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes sind entsprechend unbesetzte Lehrstellen: Knapp 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze für das Ausbildungsjahr 2021/22 konnten nicht besetzt werden.

Kleine Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten sind knapp zur Hälfte (49 %) von dieser reduzierten Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz betroffen. Bei den Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten macht sich die geringe Nachfrage lediglich bei 28 Prozent bemerkbar.

Unterschiedlich betroffen von dem Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern sind die verschiedenen Branchen. Im Baugewerbe fanden 60 Prozent der offenen Lehrstellen keine passenden Interessenten; im Groß- und Einzelhandel und der Kfz-Instandhaltung liegt der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze bei 43 Prozent, im Dienstleistungsbereich bei 37 Prozent.

Im Magazin IAB-Forum wird darauf verwiesen, dass bereits vor der Pandemie gerade in diesen Branchen viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten. Erklärt wird dies mit der „möglicherweise geringeren Attraktivität einer Ausbildung“ in diesen Sektoren. Dazu zählten niedrige Löhne nach der Ausbildung, geringe Aufstiegschancen aber auch ungünstige Arbeitsbedingungen.

Da weniger Jugendliche eine duale Ausbildung nachfragen, schließen die Betriebe weniger Ausbildungsverträge ab. Aktuell haben 26 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe “mindestens einen neuen Ausbildungsvertrag“ abgeschlossen. Dieser Anteil lag im Ausbildungsjahr 2019/2020 bei 36 Prozent. Insgesamt 17 Prozent der zur Ausbildung berechtigten Betriebe haben im Vergleich zum Vorjahr weniger oder gar keine Ausbildungsverträge abgeschlossen. Über mehr Verträge mit künftigen Fachkräften in spe freuen sich 10 Prozent der Betriebe.

Mangel an geeigneten Bewerbungen

Knapp die Hälfte (47 %) aller Betriebe erklärt den Rückgang an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen mit einem generellen Mangel an Bewerbungen. 31 Prozent benennen einen „Mangel an geeigneten Bewerbungen“ als ausschlaggebend. Insbesondere größere Betriebe erwähnen diesen Grund.

Abhilfe tut not. Das IAB empfiehlt, „Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser zusammenzuführen“. Als erfolgversprechend sehen die IAB-Wissenschaftler „Ansätze, die ein beiderseitiges Kennenlernen ermöglichen“. Sie verweisen beispielsweise auf Praktika oder auf „die von der BA geförderte Einstiegsqualifizierung“.

Nicht vergessen werden sollten die sozialen Medien, um Jugendliche vermehrt für eine duale Ausbildung zu interessieren. Doch letztlich – so die IAB-Autoren – hänge die Wahl eines Ausbildungsberufs mit den längerfristigen Perspektiven zusammen, die sich den Jugendlichen biete:  Jobsicherheit, Arbeitsbedingungen und Entlohnung.

Aktuelle Beiträge

Informationsrechte besser durchsetzen: 5 kluge Strategien für Betriebsräte
Newsletter abonnieren & Whitepaper sichern »
BetriebsratsPraxis24
Newsletter abonnieren & Whitepaper sichern »
BetriebsratsPraxis24
Informationsrechte besser durchsetzen: 5 kluge Strategien für Betriebsräte