Immer mehr Experten blicken beunruhigt auf den Ausbildungsmarkt. Die jüngste Entwicklung unterstreicht die berechtigten Sorgen: Innerhalb eines Jahres ist das Angebot der Betriebe an Ausbildungsplätzen um 8,8 Prozent geschrumpft. Das Bundesbildungsministerium schlägt genauso Alarm wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) oder der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).

Entsprechend konstatiert Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB): „Ausbilden ist das Gebot der Stunde“. So wird er auf der Webseite von Heise Medien zitiert. Der BIBB-Präsident geht davon aus, dass sich die Ausbildungssituation nach der Pandemie keineswegs automatisch bessern wird. Denn die Rückgänge am Ausbildungsmarkt seien eben nicht nur coronabedingt.

Jacqueline Weber, Vertreterin der DGB-Jugend, kritisiert die Unternehmen, die seit Jahren ihrer Verantwortung nicht nachkommen würden und viel zu wenig ausbildeten. Mehr als vier Fünftel aller Betriebe würden keine Ausbildungsverträge mehr abschließen. Ein Blick in den vorläufigen Datenreport des Berufsbildungsberichts verdeutlicht die Situation und bestätigt Jacqueline Weber.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 467.484 Ausbildungsverträge abgeschlossen; ein Minus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Vergleich mit dem Jahr 2007 zeigt eindringlich, wie rasant es mit den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen nach unten gegangen ist: Damals wurden 625.884 Neuverträge mit jungen Frauen und Männern gezählt – rund 34 Prozent mehr als heute.

Damit der Ausbildungsmarkt und daraus folgend auch der Markt für Fachkräfte wieder in Schwung kommt, fordern die Gewerkschaften eine Ausbildungsgarantie nach dem Vorbild von Österreich. Jugendlichen, die nicht selbst einen Ausbildungsplatz finden, soll ein „Einstieg in das erste Ausbildungsjahr zugesichert werden“ inklusive der Option auf eine Abschlussprüfung, betont DGB-Vorstand Elke Hannack.

Immer mehr Jugendliche würden von einem solchen Vorschlag profitieren. Denn im vergangenen Jahr suchten 78.200 junge Menschen erfolglos einen Ausbildungsplatz. Das waren 6,1 Prozent mehr vergeblich Suchende als im Jahr 2019.

Dem Bundeswirtschaftsministerium ist zuzustimmen, dass das hiesige Ausbildungssystem ein Erfolgsmodell ist. Eine berechtigte Wertschätzung für alle Ausbildungsunternehmen, aber eben nur für diese. Jugendvertreterin Jacqueline Weber warnt vor gesellschaftlichen Erosionen, wird der Ausbildungsmarkt zunehmend eng und enger: „Ohne Ausbildung landen viele junge Menschen im Niedriglohnsektor mit schlechten Arbeitsbedingungen“. Keine guten Aussichten.

Daher appelliert BIBB-Präsident Esser an alle Beteiligten, den Fachkräftebedarf durch berufliche Aus- und Weiterbildung zu sichern. Dies sei eine Herausforderung, die entschlossen und gemeinsam angegangen werden müsse.

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