Anrede im Beruf: Sie oder Du?

Im Berufs- und Geschäftsleben führen das "Sie" und das "Du" eine muntere Ko-Existenz. Manchmal gehen beide auch eine nette Verbindung ein. Dann wird die Kollegin zwar mit Vornamen angesprochen, aber trotzdem gesiezt: "Barbara, können Sie bitte mal das Telefon übernehmen?" Kein Durchblick mehr? Mit ein paar leichten Tricks behältst Du den Überblick!

Gab es früher feste Regeln dafür, wer geduzt werden kann oder wer gesiezt werden muss, sind diese Regeln heute in der Berufswelt recht aufgeweicht. Im Zweifelsfall gehen das Siezen und das Duzen in Unternehmen sehr munter durcheinander. Von einigen, wenigen Branchen wie dem Finanzdienstleistungssektor einmal abgesehen: Banker legen meist Wert auf Stil und Etikette und pflegen das klassische Siezen.

Duzen oder siezen?Sie oder Du oder Sie plus Vorname?

Doch in der Werbebranche oder in der ITK-Branche wird nicht selten einfach darauf los geduzt: Jeder duzt jeden, das förmliche Sie ist dann Knigge-Schnee von gestern. Der Chef duzt den Azubi genauso wie die Azubine ihren Chef duzen darf. Zumindest wird gerne eine Mischform gewählt: Im Unternehmen wird dann im Regelfall das Sie gepflegt, allerdings in Verbindung mit dem Vornamen. Was unter den Mitarbeitern gilt, ist natürlich nicht auf die Kunden übertragbar.

Ungeschriebenes Gesetz: Die Sache mit der internen Anrede

In der Vergangenheit durften Ältere die Jüngeren duzen, die Jüngeren hatten die Älteren widerrum zu siezen. Das ist keine typische Sitte mehr und dies ist gut so. Dies macht den Umgang miteinander im Business-Alltag freilich nicht einfacher. Vor allem sind diejenigen im Vorteil, die ein feines Gespür dafür haben, wann welche Anrede angemessen und angebracht ist. Denn in manchen Unternehmen ist es durchaus üblich, dass die Auszubildenden zwar gesiezt, doch mit ihrem Vornamen angesprochen werden. Deswegen solltest Du Dir als hoffnungsfrohe Nachwuchskräfte in spe nicht unbedingt herausnehmen, Deine Vorgesetzten umgekehrt ebenfalls mit Vornamen anzusprechen. Es kommt nämlich auf die Gepflogenheiten im Unternehmen an, was erlaubt ist und was nicht.

Azubis unter sich: Das Du ist (meist) ganz selbstverständlich

Sind Auszubildende unter sich, duzen sie sich normalerweise. Schon die gemeinsamen Stunden in der Berufsschule bringen das Du mit sich.

Etwas kritisch kann diese begonnene Duzerei Jahre später werden: Dann nämlich, wenn einer oder eine aus dem einstigen Azubikreis eine steile Karriere hinlegt. Spätestens dann, wenn einer aus dem Kreis der Vorgesetzte der anderen wird, sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht sinnvoller ist, das Du zu beerdigen und zu der Anrede Sie zu greifen. Nach einer kurzen Umgewöhnungszeit wird dies dann auch Alltag und selbstverständlich sein.

Auf den Unternehmensstil kommt es an – auch bei der Anrede

Halte am besten die Ohren weit offen, dann merkst Du schenll, wie die Anrede in Deinem Ausbildungsunternehmen gehandhabt wird. Daran solltest Du Dich dann auch halten. Was sich bis heute übrigens nicht geändert hat: Der Ältere bietet dem Jüngeren das Du an, nicht umgekehrt.

Kurz gefasst:

• Ein förmliches Sie ist distanzierter als ein Du und wird in der Berufswelt überwiegend gepflegt.

• Durch ein "Du" am Arbeitsplatz wird Nähe bis hin zur Vertraulichkeit suggeriert. Das ist nicht in jeder Branche erwünscht.

• Kunden sollten immer gesiezt werden. Es sei denn, im Unternehmen besteht aufgrund einer speziellen Kundenzielgruppe eine andere Regelung.

• Ranggleiche Kollegen duzen sich nicht selten. Wird einer aus einer solchen Gruppe befördert, sollte überlegt werden, generell auf das Sie umzuschwenken, oder sich nur im Privatleben zu duzen, falls auch private Kontakte bestehen.

• Falls Du jemandem das Du anbieten willst, überleg dir diesen Schritt gut. Die Anrede Sie kann eine sinnvolle Hemmschwelle sein: Denn ein ärgerliches "Du Depp" rutscht eben leichter aus dem Mund als ein "Sie Depp".


Übrigens: Die Anrede 'Sie' wird seit dem 17. Jahrhundert "auch ohne vorherige Nennung des Titels gebraucht, im 18. Jahrhundert ist es als Anrede unter Adligen und Bürgern von Stand neben dem älteren 'Ihr' allgemein üblich geworden". So erklärt das Duden-Herkunftswörterbuch das Siezen. Das Duzen kommt als Wort aus dem Mittelhochdeutschen. Die Anrede "Du" ist hierzulande laut Duden-Herkunftswörterbuch meistens auf den "vertrauten und kameradschaftlichen Verkehr beschränkt".

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