Dass Frauen im Schnitt immer noch weniger verdienen als Männer, hat viele Gründe. Eine neue Studie nimmt einen bislang noch wenig beachteten Einflussfaktor ins Visier: geschlechtsspezifische Persönlichkeitseigenschaften. Sie tragen demnach insbesondere bei hohen Einkommen zur Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bei.

Dr. Matthias Collischon vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nutzte Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels als Datenbasis. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Wiederholungsbefragung durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Ausgangspunkt war die Feststellung, dass auch dann noch eine Lohnlücke von etwa 10 Prozent bestehen bleibt, wenn andere Faktoren wie Bildungsstand und Berufswahl herausgerechnet werden.

Die Daten zeigten unter anderem, dass Männer im Durchschnitt deutlich risikobereiter sind als Frauen. Zugleich machen sie sich weniger Sorgen und werden weniger schnell nervös. Frauen hingegen sind tendenziell gewissenhafter und offener für neue Erfahrungen. Insgesamt können sich diese Geschlechterunterschiede auch im Lohnniveau niederschlagen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Persönlichkeitseigenschaften 7 bis 9 Prozent der Geschlechterlohnlücke erklären können.

Konkret beeinflussten vor allem Geschlechterunterschiede bei den Faktoren Verträglichkeit und Kontrollüberzeugung die Ergebnisse. So sei denkbar, dass „verträglichere“ Personen bei Gehaltsverhandlungen eher nachgeben – und Frauen wiesen einen höheren Grad an Verträglichkeit auf. Ebenso könne eine hohe externale Kontrollüberzeugung darauf hindeuten, dass man seltener Gehaltsverhandlungen anstrebt, weil man sich davon ohnehin nur wenig verspricht.

Solche Persönlichkeitseigenschaften spielen eine umso größere Rolle für die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, je höher das Lohnniveau ist, heißt es in der Studie weiter. Am oberen Ende der Lohnverteilung erklärten sie bis zu 12 Prozent der Lohnlücke, am unteren Ende dagegen nur 2 Prozent. Das dürfte darauf zurückzuführen sein, dass individuelle Gehaltsverhandlungen bei Besserverdienenden häufiger vorkommen als bei Geringverdienenden. Der Autor empfiehlt auf Grundlage der Ergebnisse, bestimmte Persönlichkeitseigenschaften im Bildungssystem gezielt zu fördern.

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