Die gute Nachricht ist: Im Osten ist der Gender Pay Gap geringer als im Westen. Die schlechte Nachricht lautet: Der Gehaltsrückstand von Frauen zu den Männern ist nicht etwa geringer, weil das Gehaltsniveau der Frauen im Osten höher ist als im Westen, sondern weil die ostdeutschen Männer weniger verdienen als die westdeutschen. Diese Analyse legt das Online-Portal Lohnspiegel.de der Hans-Böckler-Stiftung vor.

Deutschlandweit liegt das Erwerbseinkommen berufstätiger Frauen 21 Prozent niedriger als das der Männer. Dieser so genannte Gender Pay Gap erklärt sich “sowohl mit Gehaltsabständen zwischen einzelnen Berufen als auch mit einer Gehaltslücke zu Lasten von Frauen innerhalb der einzelnen Berufe”, so die Einkommens- und Tarifexperten in der Hans-Böckler-Stiftung.

Zum einen sei der Anteil der Frauen in relativ schlecht bezahlten Berufen – wie Verkäuferin oder sozialen Tätigkeiten – überdurchschnittlich hoch. Mit diesen Berufen korrespondiere nach wie vor ein niedrigeres Einkommen als bei typischen Männerberufen. Doch auch Frauen, die in technischen Berufen beschäftigt sind, haben keinen Grund wirklich zu frohlocken. Auch in diesen Branchen werden sie nicht so gut bezahlt wie die Männer.

Bei gleicher Qualifikation und bei vergleichbaren Aufgaben im Beruf sind die Frauen nach wie vor benachteiligt. So verdienen Bauingenieurinnen 16 Prozent weniger als die männlichen Kollegen und in der Informatikbranche liegt der Unterschied zu Lasten der Frauen beispielsweise bei 7 Prozent.

Gap in industriestarken Regionen besonders hoch

Ein Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt, dass die Gehaltsunterschiede auch quer durch Deutschland recht unterschiedlich sind. Am größten sind sie in industriestarken Regionen. In Baden-Württemberg liegt das Einkommen der Männer um durchschnittlich 22,7 Prozent höher als das der Frauen, in Bayern beträgt diese Differenz 21,9 Prozent, in Sachsen 15,5 Prozent und in Brandenburg 14,9 Prozent.

Der niedrigere Gender Pay Gap im Osten erklärt sich nicht nur aus der im Vergleich zum Westen schlechteren Bezahlung der Männer, sondern auch aus der Tatsache heraus, dass im Osten mehr Mütter Vollzeit arbeiten als im Westen. Teilzeitbeschäftigte müssen damit rechnen, sozusagen doppelt abgestraft zu werden: Sie machen seltener Karriere als Vollzeitbeschäftigte und es gibt nach Kenntnis von Dr. Yvonne Lott, Expertin für Arbeitszeitforschung, Unternehmen, “die Teilzeitarbeit schlechter bezahlen als vergleichbare Vollzeitjobs, obwohl das illegal ist”.

Weitere Details rund um den Gender Pay Gap beleuchtet die regionale Auswertung des Online-Portals Lohnspiegel.de zum Equal Pay Day.

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