Er erhöht sich sehr langsam, der Anteil der Frauen in obersten und oberen Führungspositionen. Selbst verschiedene Gesetzesinitiativen in den vergangenen Jahren haben an diesem Schneckentempo wenig geändert. Dieses Ergebnis präsentiert eine aktuelle Analyse aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Ob Privatwirtschaft oder öffentlicher Dienst: Frauen sind in Spitzenpositionen unterrepräsentiert. Prozentual gesehen ist das Bild aus den Verwaltungen für das Jahr 2020 recht positiv: 37 Prozent der Positionen auf der ersten Führungsebene sind mit Frauen besetzt. In der Privatwirtschaft liegt dieser Anteil mit 27 Prozent deutlich niedriger. Doch der Schein trügt.

Denn im öffentlichen Sektor arbeiten deutlich mehr Frauen als im privaten Bereich: 61 Prozent aller Beschäftigten im öffentlichen Sektor sind weiblich, im privaten Sektor sind es mit 43 Prozent deutlich weniger.

Wird nämlich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Relation zum Anteil der Frauen an allen Beschäftigten gesetzt, zeigt sich in diesem Repräsentanzwert, dass der öffentliche Sektor keineswegs mit besseren Werten bei der Repräsentanz in Managementpositionen von Frauen punkten kann als die Privatwirtschaft. Im Gegenteil. Das fächern die Autorinnen der IAB-Kurzanalyse Dr. Susanne Kohaut und Dr. Iris Möller auf.

Unterschiede zwischen Regionen sowie Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst

Dieses Repräsentanzmaß – auch als Gender Leadership Gap bezeichnet – macht das Ausmaß der Ungleichheit sichtbar. Für die Privatwirtschaft liegt dieser Wert für die erste Führungsebene bei 0,63. Etwas niedriger ist der Wert mit 0,61 für den öffentlichen Sektor. Größer noch ist der Unterschied, wird die zweite Führungsebene in den Blick genommen: In der Privatwirtschaft ergibt sich ein hoher Wert von 0,93, im öffentlichen Sektor liegt er bei 0,75. Frauen wären dann, so die Forscherinnen, entsprechend ihrem Anteil an der Beschäftigung in den Chefetagen repräsentiert, wenn der Repräsentanzwert gleich 1 wäre.

Am besten schneidet übrigens die Privatwirtschaft im Osten ab: Auf der ersten Führungsebene liegt der Gender Leadership Gap bei 0,70 und auf der zweiten Führungsebene haben die Frauen mit den Männern gleichgezogen (Wert 1,05).

Die Autorinnen ziehen das Fazit, dass sich der Frauenanteil seit sechzehn Jahren „weder in der Privatwirtschaft noch im öffentlichen Sektor wesentlich verändert hat“. Das 2016 eingeführte „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG)“ habe die Erwartungen nicht erfüllt. Ob das im letzten Jahr novellierte Gesetz (FüPoG II), in dem Sanktionen bei Nichterreichung von vorgegebenen Zielgrößen enthalten sind, Wirkung zeigen werde, bleibe abzuwarten.

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