Beruf und Familie können für Eltern leichter vereinbart werden, wenn der Arbeitgeber flexibles Arbeiten oder das Arbeiten im Homeoffice ermöglicht. Darüber herrscht allgemeiner Konsens. Doch stimmt das wirklich? Eine Studie ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Kurz gefasst lautet das Ergebnis “jein”.

Das Ergebnis verwundert nur auf den ersten Blick, denn es deckt das tradierte und typische Geschlechterverhalten: Frauen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, nutzen die gewonnen Möglichkeiten der Zeiteinteilung, um sich deutlich mehr mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Die Väter dagegen, nutzen die gewonnene Zeit für ihre Karriere: Sie arbeiten länger.

Können berufstätige Eltern ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen, arbeiten beide Geschlechter zeitlich länger als Erwerbstätige mit festen Arbeitszeiten. Bei den Vätern addieren sich die wöchentlichen Überstunden auf insgesamt vier Plusstunden. Die andere Seite der Medaille zeigt: Es bleibt sogar etwas weniger Zeit für die Kinder als bei Vätern ohne Vertrauensarbeitszeit.

Auch die Frauen mit Kindern arbeiten länger, wenn sie die Arbeitszeit selbst bestimmen: eine knappe Stunde zusätzlich pro Woche. Doch anders als die Väter, verbringen diese Mütter rund eineinhalb Stunden mehr Zeit mit ihren Kindern. Bei den Frauen steht also tatsächlich die Work-Life-Balance im Vordergrund.

Der Blick auf die Beschäftigten mit einem Homeoffice bestätigt das klassische Rollenverhalten ebenfalls: Die Männer leisten zwei Überstunden mehr als die Väter im externen Büro, mehr Zeit für die Kinder gibt es nicht. Die Frauen schaufeln sich drei Stunden mehr Betreuungszeit für die Kinder frei und arbeiten zusätzlich eine Stunde mehr für ihren Job.

Die Studie von Dr. Yvonne Lott, Gender- und Arbeitszeitforscherin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass Mütter ohne feste Arbeitszeiten “häufig doppelt belastet sind”. Je flexibler die Arbeit ausgeführt werden kann, umso mehr kümmern sich die Mütter um die Kinder und um ihren Beruf, die Väter priorisieren dagegen ihre Karriere, mehr Zeit für die Kinderbetreuung nehmen sie sich nicht. “Flexibles Arbeiten hat eine Schattenseite”, warnt die Autorin: Es könnte die traditionelle Rollenverteilung forcieren.

Mehr Geschlechtergerechtigkeit wäre durchaus möglich, würden Politiker und Sozialpartner dafür eintreten, dass die Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern gleichmäßiger verteilt würde. Als Beispiele nennt die Wissenschaftlerin eine Verlängerung der Partnermonate bei der Elternzeit, ein Recht auf Familienarbeitszeit, eine lebenslauforientierte Personalpolitik und eine Arbeitszeiterfassung bei selbstbestimmtem Arbeiten oder bei Arbeiten im Homeoffice.

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