Schwangere und junge Mütter stehen unter einem besonderen Schutz. Eine Studie zeigt nun jedoch, dass zahlreiche Arbeitgeber ihre Rechte missachten. Der DGB spricht in diesem Zusammenhang von einer „systematischen Benachteiligung“ dieser Personengruppen.

Für die Studie des Gewerkschaftsbunds wurden 1193 arbeitende Mütter online befragt. 56 Prozent von ihnen gaben an, in der Schwangerschaft mehrmals Mehrarbeit über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus geleistet zu haben. Fast ebenso viele haben in dieser Lebensphase die Tageshöchstarbeitszeit von 8,5 Arbeitsstunden in überschritten.

„Mehrarbeit ist offensichtlich die Regel“, kommentiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Ebenso würden Vorschriften für Ruheräume und Entlastungsmöglichkeiten vielfach nicht eingehalten. Angesichts des grundsätzlich nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen gesundheitlichen Beschwerden und dem Leisten von Überstunden wird dieses Ergebnis in der Studie als besonders gravierend bewertet.

Nach der Geburt fühlten sich dann viele der Frauen ausgebremst. Mehr als ein Viertel berichtete von langfristigen beruflichen Nachteilen aufgrund ihrer Schwangerschaft. Sogar zwei Drittel von ihnen beklagten, die Schwangerschaft habe ihre berufliche Weiterentwicklung verzögert oder blockiert. „Die Unternehmen müssen endlich lernen, Schwangerschaft und Geburt als selbstverständlichen Teil in den Berufsbiografien ihrer Beschäftigten zu akzeptieren“, findet Hannack.

Gegen die „systematische Benachteiligung“ könne nur ein stärkeres Bewusstsein und ein strengerer Blick auf die Einhaltung der Rechte helfen. Allerdings sei die Zahl der Betriebsbesichtigungen durch die Arbeitsschutzaufsicht in Deutschland von 479.565 im Jahr 2002 auf 127.683 in 2020 gesunken. Auch die Zahl der besichtigten Betriebe sank rapide. Kein Wunder, gibt es nach DGB-Angaben deutschlandweit derzeit doch nur 1.490 Aufsichtsbeamtinnen und -beamte mit Arbeitsschutzaufgaben.

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