Immer weniger Betriebe sind tarifgebunden. Das hat Folgen, negative Folgen, für die Sozialversicherungen, die Einkommensteuer und die Kaufkraft der Beschäftigten. Denn die Einnahmen sind deutlich geringer als sie ohne Tarifflucht und Lohndumping wären. Wie hoch die entgangenen Einnahmen sind, zeigt der Tarifflucht-Atlas 2021 – vorgelegt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Die Kosten der Tarifflucht sind immens und ein Ende ist nicht abzusehen – im Gegenteil. Die aktuelle Sonderauswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Jahre 2019 und 2021 zeigt erschreckend, wie sich die Kosten dafür in die Höhe schrauben, dass immer weniger Betriebe tarifgebunden sind.

Lagen die Mindereinnahmen der Sozialversicherungen bundesweit im Jahr 2019 bereits bei 24,8 Milliarden Euro, so kommen in diesem Jahr noch einmal 5 Milliarden Euro oben drauf. Aktuell liegen die Mindereinnahmen der Sozialversicherungen damit bei 29,8 Milliarden Euro.

Für die Einkommensteuer hat der DGB die Mindereinahmen des Staates für 2021 auf 18,1 Milliarden Euro beziffert, das sind nochmals 3,2 Milliarden mehr als im Jahr 2019.

Bestürzend hoch sind auch die Einkommensverluste bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Unternehmen ohne Tarifbindung. Um 41,6 Milliarden Euro wäre ihr Kaufkraftgewinn im laufenden Jahr höher gewesen; nochmals 6,5 Milliarden Euro höher als 2019.

Der finanzielle Schaden, den Tarifflucht und Lohndumping verursachen, ist enorm, so der DGB. Wie hoch die Schäden in den einzelnen Bundesländern sind, zeigt ein Blick in den Tarifflucht-Atlas. Für die Berechnungen hat der DGB auf die Verdienststrukturerhebung nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen.

DGB-Vorstand Stefan Körzell appelliert an die künftige Bundesregierung, „die Tarifbindung zu stärken“. Denn die grassierende Tarifflucht koste die Allgemeinheit Milliarden. Milliarden, die für den sozialen Ausgleich und für dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur und in die Bildung benötigt würden.

Er lässt keinen Zweifel daran, dass ein Bundestariftreuegesetz erforderlich ist, „damit öffentliche Aufträge und Fördergelder nur noch an tarifgebundene Unternehmen gehen“. Mit Verweis auf die Auftragsvolumen der öffentlichen Hand wäre „eine zwingende Tariftreueregelung ein enormer Anreiz für Unternehmen, sich an Tarifverträge zu binden“. DGB-Chef Körzell mahnt neben einer Tariftreueregelung auch an, dass der Staat „die Vergabe seiner öffentlichen Aufträge endlich an gute Bezahlung, nämlich an Bezahlung nach Tarif knüpft“.

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