Die mittlere Betriebszugehörigkeit von Älteren ist seit 2010 gesunken. Das ist aber nicht per se negativ zu werten, denn der Effekt geht auf die vielen Neueinstellungen von älteren Beschäftigten in den letzten Jahren und eine gestiegene Frauenerwerbstätigkeit in dieser Altersgruppe zurück.

Das ist ein Kernergebnis des neuen Altersübergangsreports, den das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen veröffentlicht hat. Die Forscher Dr. Max Keck und Professor Dr. Martin Brussig haben des Weiteren herausgefunden, dass die Betriebszugehörigkeit umso länger ausfällt, je älter jemand ist. Seien Personen allerdings nach ihrem Renteneintritt beschäftigt, falle die Betriebszugehörigkeit wesentlich kürzer aus: „Denn sie sind dann vor allem neueingestellt.“

Sehr kurz ist die Betriebszugehörigkeit dagegen, wenn ältere Beschäftigte einer niedrigqualifizierten Arbeit nachgehen. Auch die Tarifbindung spielt eine Rolle. Wer ohne Tarifvertrag arbeitet, ist zwischen vier und neun Jahre beschäftigt. In Betrieben mit Tarifvertrag ließen sich solch kurze Beschäftigungsdauern hingegen nur bei rund einem Viertel beobachten. In Betrieben mit Tarifvertrag böten außerdem selbst befristete Jobs und Leiharbeit oft ein Sprungbrett in Normalarbeitsverhältnisse. In Firmen ohne Tarifvertrag gebe es dagegen meist Minijobs, die nur selten die Chance auf einen Übergang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bieten. Ein Fazit der Forscher: “Kürzere Betriebszugehörigkeitsdauer geht in hohem Maße mit atypischer Arbeit einher.”

Wie eingangs erwähnt deuten die IAQ-Autoren eine kürzere Betriebszugehörigkeit nicht grundsätzlich negativ – wenn sie, wie jüngst, auf zunehmende Neueinstellungen Älterer zurückzuführen ist. Das zeige vielmehr, dass die Arbeitsmärkte sich wegen der guten wirtschaftlichen Lage dynamisch entwickelten und dass Unternehmen bereit seien, zunehmend Ältere einzustellen. Die für die Studie verwendeten Daten stammen allerdings noch aus der Zeit vor Corona. Wie sich die Stabilität der Alterserwerbsbeteiligung im Kontext von Krisen und Umbrüchen entwickeln wird, bleibe daher abzuwarten.

 

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