Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beobachtet mit Sorge die seit Jahren sinkende Tarifbindung. Im Bundestagswahljahr fordert er nun die Parteien ganz konkret auf, sich für die Tarifbindung stark zu machen. Jetzt und nicht erst im Übermorgen – zum Nutzen der Beschäftigten.

Tarifverträge regeln mehr als die Einkommen, sondern verbessern auch Arbeitsbedingungen. Deshalb ist es für den DGB so wichtig, die Tarifbindung zu stärken. Ganz oben in dem Forderungskatalog der Maßnahmen steht ein Bundestariftreuegesetz. Aufträge der öffentlichen Hand wie auch Fördergelder sollen ausschließlich an Unternehmen gehen, die nach Tarif entlohnen. In vielen Bundesländern gebe es Tariftreueregelungen, doch im Bund fehlten diese.

Der DGB dringt ebenfalls auf eine leichtere Allgemeinverbindlichkeitserklärung für Tarifverträge. Mit einer solchen Regelung müssten sich alle Unternehmer in einer Branche an abgeschlossene Tarifverträge halten – selbst dann, wenn sie an dem Tarifabschluss nicht beteiligt waren.

Die Abschaffung von den sogenannten Ohne-Tarif-Mitgliedschaften (OT-Mitgliedschaften) in Arbeitgeberverbänden steht ebenfalls auf der Wunsch-Agenda des Gewerkschaftsbundes. Denn genau diese OT-Mitgliedschaften förderten die Tarifflucht von Arbeitgebern.

Für mehr Tarifbindung sorgen könnten aus DGB-Sicht außerdem tarifvertraglich vereinbarte Zusatzleistungen, die durch Steuerbefreiung privilegiert werden würden, sowie auch „die verbindliche Fortgeltung von Tarifverträgen in ausgegliederten Unternehmenseinheiten“. Gestärkt werden könnte die Tarifbindung zudem im Handwerk durch das Anerkennen von Innungen als öffentlich-rechtliche Institutionen.

Recht unterschiedlich präsentiert sich die Tarifbindung in den Bundesländern: Den höchsten Organisationsgrad weist Hessen auf. Dort profitieren insgesamt 58 Prozent der Beschäftigten von einem Tarifvertrag. Im Mittelfeld liegen Schleswig-Holstein/Hamburg (51 %), Bayern (50 %) und Baden-Württemberg (48 %). Das Schlusslicht bildet Sachsen. In diesem Bundesland arbeiten gerade 43 Prozent der Beschäftigten in einem Unternehmen mit Tarifvertrag.

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