Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat sich mit den Arbeitgebern der deutschen Fleischwirtschaft auf einen neuen Mindestlohn geeinigt. Die Lösung war hart umkämpft und soll nun für allgemeinverbindlich erklärt werden.

Voraussichtlich von August 2021 an erhalten die rund 160.000 Beschäftigten in deutschen Schlachthöfen und Wurstfabriken mindestens 10,80 EUR pro Stunde. Bereits zum Jahresbeginn 2022 sind 11 EUR vorgesehen. Vom 1. Dezember 2022 an werden 11,50 EUR fällig, vom 1. Dezember 2023 an dann 12,30 EUR. Der Branchenmindestlohn liegt damit ein Stück weit über dem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,50 EUR. Er steigt bis zum 1. Juli 2022 auf 10,45 EUR.

„Davon profitieren zehntausende Menschen. Sie bekommen spürbar mehr Geld für ihren Knochenjob“, kommentiert Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der NGG, das Verhandlungsergebnis. Mit dem neuen  Tarifabschluss werde eine Basis gelegt, auf die es aufzubauen gelte. Er sei zwar eine deutliche Verbesserung und ein wichtiger Schritt. „Wir sprechen aber immer noch von einem geringen Lohn für sehr harte Arbeit.“ In einem weiteren Tarifvertrag sollen deshalb weitere einheitliche Mindestregelungen für die Branche festgeschrieben werden. Diese beträfen zum Beispiel Zuschläge, Arbeitszeiten und den Urlaub.

Der neue Mindestlohn tritt in Kraft, sobald das Bundesarbeitsministerium den neuen Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt hat. Der Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW) rechnet mit einem Inkrafttreten zum 1. August 2021. „Wir haben uns als Branche bis an die Decke gestreckt“, so VdEW-Hauptgeschäftsführer Vehid Alemić. Im Vergleich zum aktuellen gesetzlichen Mindestlohn stehe vielen Betrieben in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren eine rund 30-prozentige Steigerung bevor. Die Vertreter der Gewerkschaft NGG und der Arbeitgeber der Fleischwirtschaft konnten sich erst in der vierten Tarifverhandlung auf den Abschluss des neuen Mindestlohntarifvertrags einigen.

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