Videokonferenzen zwischen Arbeitnehmervertretern und Managern verstärken bestehende Konflikte und können im ungünstigsten Fall gar eine bestehende sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit einreißen: Ein derartiges Szenario beschreiben Mitglieder Europäischer Betriebsräte (EBR) und sprechen sich mehrheitlich für ein Zurück zu Präsenzsitzungen aus.

Häufig werden sie hoch gelobt, die digitalen Konferenzen. Doch in der Praxis bröckelt die Zustimmung dazu: „EU-weit klagen Betriebsräte über verschlechterte Verhandlungen mit Arbeitgebern“. Die Schuld daran geben sie, so ein Bericht bei heise online, u.a. dem Umstieg auf Videokonferenzen.

Die Pandemie hat es möglich gemacht, dass Betriebsratsbeschlüsse seit Mai 2020 auch hierzulande per Telefon oder in einer Videokonferenz getroffen werden können. Das gilt auch anderorts, weshalb das zum Europäischen Gewerkschaftsbund ETUC (= European Trade Union Confederation) gehörende Institut ETUI unter 476 Europäischen Betriebsräten (EBR) eine Befragung zur Zufriedenheit mit den Videokonferenzen durchgeführt hat. Das Ergebnis ernüchtert.

Die Arbeitnehmervertreter sagen aus, „die Unterrichtung und Anhörung durch das jeweilige Management habe erheblich gelitten“. Rund ein Drittel der Befragten berichtet zudem von einer „Verschlechterung der internen Funktionsweise“ ihres EBR. Doch damit nicht genug: Knapp vier Fünftel (78 %) der Betriebsräte wurden vor Ausbruch der Pandemie „regelmäßig über die Lage des Unternehmens informiert“. Zu Beginn des Jahres 2021 konnte lediglich die Hälfte der Befragten von einer Regelmäßigkeit berichten, heißt es laut heise in der Untersuchung, die auf der Jahrestagung des European Workers’ Participation Competence Centre vorgestellt wurde.

Auch die Anhörungen, die früher zu Umstrukturierungsplänen des Managements stattfanden, wurden demnach auf die Hälfte eingedampft. Laut der Befragung haben die „ernsthaften Konflikte“ zwischen Betriebsräten und Managern tüchtig zugelegt: von 7 Prozent auf 19 Prozent.

Die EBR-Angehörigen zeigen deutlich ihrer Skepsis gegenüber Videokonferenzen und sprechen sich für eine Rückkehr zu Präsenzsitzungen aus. Präsenzveranstaltungen trumpften mit einem doppelten Vorteil auf: Sie verbesserten sowohl „die interne Zusammenarbeit der Betriebsräte“ als auch „den Meinungsaustausch mit den Managern“. Eine französische Studie von Anfang Mai, für die Personalchefs und Betriebsräte befragt worden sind, unterstreicht übrigens dieses Ergebnis der EBR-Befragung.

Das unzweifelhafte Fazit der Befragungen lautet: Der direkte persönlicher Kontakt ist ein Muss, sind doch menschliche Beziehungen „das Herzstück des sozialen Dialogs“.

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