Ein SAP-interner Onlinedienst für Mitarbeiter- und Betriebsversammlungen soll personenbezogene Daten teilweise nicht wie angegeben anonym, sondern rückverfolgbar verarbeitet haben. Das Vorgehen wurde von ver.di aufgedeckt und von SAP umgehend gestoppt, doch bleiben für die Gewerkschaft v.a. in puncto Datenschutz noch Fragen offen.

Konkret geht es nach ver.di-Angaben um den nur der SAP-Belegschaft zugänglichen Onlinedienst „SAP Interactive Broadcast“. Er biete unter anderem die Möglichkeit, Fragen zu stellen und für beziehungsweise gegen diese Fragen zu stimmen. Explizit werde darauf verwiesen, dass Fragen standardmäßig anonym erfolgen.

In der Vergangenheit seien jedoch alle Fragen sowie das Abstimmungsverhalten eindeutig den jeweiligen Personen zuordenbar gewesen. Diese Informationen seien zudem automatisch auf alle an den Versammlungen teilnehmende Rechner aufgespielt worden. Damit seien sie faktisch der gesamten Belegschaft zugänglich gewesen. „Die Rückverfolgbarkeit war trivial herzustellen. Der geübte Programmierer konnte den Ansatz auf den ersten Blick sehen“, sagt ver.di-Betriebsratsmitglied Andreas Hahn.

SAP habe die Rückverfolgbarkeit zwar nach der internen Meldung zeitnah gestoppt und den Vorfall kürzlich auch an die Belegschaft kommuniziert. Es seien jedoch noch viele Fragen offen, so Hahn weiter: „Wir fordern vom Arbeitgeber volle Transparenz gegenüber der Belegschaft und den Mitbestimmungsgremien darüber, wie lange diese Rückverfolgbarkeit bereits möglich war und welche internen Veranstaltungen davon betroffen waren.“ Außerdem sollten seiner Auffassung nach alle möglicherweise noch existierenden Daten nachvollziehbar gelöscht und die technischen Details über die Funktionsweise des Dienstes mit den Mitbestimmungsgremien geteilt werden.

„Personenbezogener Datenschutz muss mit der höchsten Priorität abgesichert sein, ebenso das verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung in Unternehmen“, ergänzt ver.di-SAP-Unternehmensbetreuerin Christine Muhr. Wo das nicht gewährleistet sei, würden Beschäftigte zu gläsernen Beschäftigten: „Das wäre ein Verstoß gegen demokratische Grundsätze.“

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