Die Insolvenz des Zahlungsdienstleisters Wirecard kostet viele Arbeitsplätze. Dass davon auch Initiatoren einer Betriebsratswahl sowie unter besonderem Kündigungsschutz stehende Mitarbeiter betroffen sind, will die Gewerkschaft ver.di nicht hinnehmen. Sie wirft dem Insolvenzverwalter eine Missachtung des Kündigungsschutzgesetzes und eine Inkaufnahme der Beeinflussung der Betriebsratswahl vor.

“Nicht nur Wahlvorstände, sondern auch Schwangere und in Mutterschutz befindliche Mitarbeiterinnen sowie Menschen mit Behinderungen haben Kündigungsschreiben erhalten, obwohl sie alle unter besonderem Kündigungsschutz stehen”, kritisiert der zuständige Gewerkschaftssekretär Gregor Völkl. Für ver.di sei nicht erkennbar, dass “auch nur der Versuch einer Sozialauswahl gemacht wurde”.

Die Kündigungen datieren nach Angaben der Gewerkschaft auf den 25. August. An diesem Tag fanden drei Wahlversammlungen in Tochtergesellschaften der Wirecard AG statt. Ein Großteil der Betroffenen habe am Vorabend der Versammlungen und vor den tatsächlichen Kündigungen eine E-Mail des Insolvenzverwalters erhalten, in der sie über die unwiderrufliche Freistellung informiert worden seien. Die Verunsicherung sei entsprechend groß und deutlich spürbar gewesen, so Völkl. Es liege die Vermutung nahe, dass eine Beeinflussung der Betriebsratswahl “zumindest in Kauf genommen wurde”.

Ver.di fordert daher, dass die ausgesprochenen Kündigungen bei den besonders geschützten Mitarbeitern wieder zurückgenommen werden: “Ansonsten steht allen Betroffenen der Weg einer Kündigungsschutzklage offen.” Man werde nicht zögern, diesen zu beschreiten, falls die Rücknahme nicht zügig erfolge. Darüber hinaus hat die Gewerkschaft einen Antrag auf Aufnahme in den Gläubigerausschuss beantragt. “Die Vorgehensweise bei den Entlassungen zeigt uns, dass eine Vertretung der Interessen der Belegschaft, die ja ein auch einen Teil der Gläubiger darstellt, dringend notwendig ist”, so Völkl.

Aktuelle Beiträge

BetriebsratsPraxis24 Newsletter
Holen Sie sich noch mehr Input für Ihre Betriebsratsarbeit.
Jetzt anmelden »
Jetzt abonnieren »
BetriebsratsPraxis24 Newsletter