„Die Woche vom 20 mach ich definitivkeine spät dann bin ich krankgeschrieben.“ Wer seinen Vorgesetzten eine solche Whatsapp-Nachricht schickt, riskiert die fristlose Kündigung. Nicht wegen etwaiger orthographischer Fehler, sondern wegen einer schwerwiegenden Verletzung der arbeitsvertraglichen Rücksichtnahmepflicht. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg-Vorpommern entschieden.

Die Klägerin arbeitete seit 2010 als Verkäuferin in einer Bäckerei. In der Filiale, in der sie zuletzt tätig war, war es früher bereits zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitarbeiterinnen gekommen. Am 09.06.2020 bat die Frau ihre Filialleiterin, sie in der Woche vom 20.07. an zur Frühschicht einzuteilen – was diese aber nicht tat. Daraufhin schickte die Verkäuferin ihr besagte Whatsapp-Nachricht. Eine Viertelstunde später folgte ein Telefonat, doch auch damit erreichte sie keine Änderung des Dienstplans. Sie kündigte dann erneut eine Krankschreibung für die fragliche Juliwoche an.

Am 29.06. reichte sie beim Geschäftsführer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zum 04.07. ein. Gleichzeitig gab sie ihm ein auf den 22.06. datiertes Schreiben, in dem sie ihr Arbeitsverhältnis ordentlich zum 31.07. kündigte. Etwa drei Stunden später erklärte der Arbeitgeber seinerseits die außerordentliche Kündigung unter Bezugnahme auf die angedrohte Krankschreibung. Dagegen ging die Verkäuferin vor.

Das LAG erklärte die fristlose Kündigung für nicht rechtens. Es stellte zwar fest, dass der Versuch eines Arbeitnehmers, einen ihm nicht zustehenden Vorteil durch eine unzulässige Drohung zu erreichen, die arbeitsvertragliche Rücksichtnahmepflicht verletzt. Zudem beeinträchtige diese das Vertrauen des Arbeitgebers in die Redlichkeit und Loyalität des Arbeitnehmers. Das könne vom Grundsatz her “auch ohne vorausgehende Abmahnung ein die außerordentliche Kündigung an sich rechtfertigender verhaltensbedingter Grund zur Kündigung” sein.

In diesem Fall sei dem Arbeitgeber jedoch zumutbar gewesen, das Arbeitsverhältnis bis zum Datum der Eigenkündigung der Frau fortzusetzen. Die Whatsapp-Nachricht sei eine spontane und unüberlegte Reaktion in Folge eines schon länger schwelenden innerbetrieblichen Konfliktes gewesen. “Das Interesse der Beklagten an einer sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses überwog” nach Ansicht der Richter daher hier “nicht das Interesse der Klägerin an einer Fortführung des Arbeitsverhältnisses bis zum Datum der Eigenkündigung”.

Beschluss des LAG Mecklenburg-Vorpommern vom 04.05.2021 (Az.: 5 Sa 319/20).

Vorinstanz: Urteil des ArbG Schwerin vom 14.10.2020 (Az.: 4 Ca 904/20).

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