Bei der Fußball-WM sollten Betriebsräte und Arbeitgeber klare Regeln für den Medien-Konsum am Arbeitsplatz vereinbaren, so Experten.

Ab Donnerstag rollt im Land von Tolstoi und Dostojewski der Ball und spätestens zum ersten Spiel der Löw-Truppe wird auch hierzulande das Fußball-WM-Fieber endgültig ausbrechen: Vielen Beschäftigten dürften die (z.T. vergleichsweise frühen) Anstoßzeiten in den Nachmittagsstunden sehr entgegenkommen. In Betrieben hingegen, in denen die Mitarbeiter auch in den Abend hinein arbeiten müssen, sollten klare Spielregeln für den „WM-Konsum“ gelten. Das empfehlen Arbeitsrechtsexperten.

Ein Recht auf Fußballgucken statt Arbeiten haben Arbeitnehmer nicht. Natürlich können Beschäftigte an Spieltagen Erholungsurlaub beantragen.

Allerdings können diesem Wunsch dringende betriebliche Belange wie ein hoher Krankenstand entgegenstehen. Auch müssen Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer berücksichtigt werden, die unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang verdienen.

Zudem haben Fußballfans keine Garantie, dass sie zu einem bestimmten Spiel „spontan“, d.h. kurzfristig frei bekommen. Unternehmen, die ihren Beschäftigten hier entgegenkommen, steigern aber sicherlich die Motivation ihrer Mitarbeiter.

Einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf unbezahlten (Sonder-)Urlaub gibt es aber nicht. Ebensowenig lässt sich ein aus Sicht des Arbeitnehmers bedeutsames Spiel – etwa während der Finalrunde – nicht als wichtiger Grund für eine „vorübergehende Verhinderung“ im Sinne des § 616 BGB einstufen.

Radio hören am Arbeitsplatz laut BAG prinzipiell ok

Was die Nutzung von Medien während der Arbeitszeit angeht, sollten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer Augenmaß beweisen: So gehen Experten davon aus, dass eine nebenbei laufende Live-Übertragung im Radio keine nachteiligen Auswirkungen auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter hat. Das sieht auch das Bundesarbeitsgericht so (vgl. BAG, 14.01.1986 – 1 ABR 75/83). Allerdings sollte auf jeden Fall sichergestellt werden, dass andere Beschäftigte dadurch nicht gestört werden.

In Abteilungen mit Kundenverkehr gilt es abzuwägen: Während mancher Kunde letzte Informationen zum Spielstand zu schätzen weiß, könnten sich weniger Ballsportbegeisterte durch einen Live-Kommentar im Hintergrund eher abgeschreckt fühlen.

Vorsicht bei Fernsehen und Live-Stream

Anders sieht es aus, wenn Mitarbeiter die WM während der Arbeitszeit im Fernsehen oder Live-Stream verfolgen wollen. Hierzu benötigen sie in jedem Fall das Einverständnis ihres Arbeitgebers. Denn wer während der Arbeitszeit einer anderen Tätigkeit nachgeht, kann abgemahnt werden. Im Wiederholungsfall droht sogar eine Kündigung. Am besten sollte daher mit dem Chef abgesprochen werden, was erlaubt ist. Eine Ausnahme kann übrigens für Beschäftigte gelten, die auch sonst am Arbeitsplatz Fernsehen dürfen. Wer aber verpflichtet ist, einen Nachrichtenkanal zu verfolgen, darf nicht einfach auf das Spiel umschalten.

Betriebsräte gefordert

Die Nutzung von so genannten Live-Tickern oder legalen (sic!) Streamingangeboten im Internet können Arbeitgeber im Rahmen ihres Weisungs-/Direktionsrechts prinzipiell verbieten. Doch auch hier gilt: Wenn Providervertrag, Arbeitsbelastung und Komplexität der Tätigkeit im entsprechenden Bereich dies hergeben, sollte ggf. ein sprichwörtliches Auge zugedrückt werden. Ansonsten gilt: (Private) Internetnutzung während der Arbeitszeit grundsätzlich und betriebsweit regeln!

Die WM bietet Betriebsräten und Arbeitgebern eine gute Chance, um eine allgemein akzeptierte Regelung zu finden und Unmut in der Belegschaft zu vermeiden. Dies gilt besonders, wenn während der Weltmeisterschaft Sonderregelungen und Abweichungen von der normalen Arbeitszeitvorgabe gelten sollen. Denn diese sind in der Regel mitbestimmungspflichtig.

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