Dass viele Unternehmen während der Corona-Pandemie zurückhaltend mit Einstellungen sind, verwundert nicht. Sie machen den Neuankömmlingen gegenüber zudem wenig Zugeständnisse: Der Anteil der Befristungen ist mit 39,4 Prozent weiterhin hoch.

Das zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Datengrundlage waren die neuesten verfügbaren Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit zu Einstellungen, die sich auf das zweite Quartal des Jahres 2020 beziehen. Sie haben zwar den Vorteil, aktuell zu sein und sich detailliert regional auswerten zu lassen. Es ist mit ihnen allerdings nicht möglich, zwischen Befristungen mit und ohne Sachgrund zu differenzieren.

Konkret lag die Zahl der Menschen, die im Beobachtungszeitraum eine neue Beschäftigung aufnahmen, um 29 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. „Obwohl sich Arbeitgeber bei Einstellungen also offensichtlich auf das ‚Nötigste‘ beschränken, ist der Anteil der Befristungen weiterhin hoch“, berichtet das WSI. So erhielten 39,4 Prozent der neu Eingestellten im Frühjahr 2020 einen befristeten Arbeitsvertrag. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ging diese Quote zumindest moderat um 2,5 Prozentpunkte zurück.

Überdurchschnittlich stark von Befristungen betroffen sind weiterhin ausländische Arbeitnehmende sowie junge Beschäftigte. Von den neu Eingestellten unter 25 Jahren bekamen beispielsweise 50,8 Prozent nur einen befristeten Arbeitsvertrag, während das in der Altersgruppe zwischen 25 und 54 Jahren nur für 37,1 Prozent galt.

Der formale Bildungsstand hat indes wenig Einfluss auf eine Befristung: Sowohl Beschäftigte ohne Ausbildungsabschluss (51,7 Prozent) als auch Hochschulabsolventen (44,6 Prozent) trifft es häufig. Befristungen spielen zudem in den Bereichen Erziehung und Unterricht sowie Information und Kommunikation eine besonders große Rolle. Dementsprechend wiesen oft Regionen sehr hohe Befristungsquoten auf, deren Arbeitsmarkt von der Kreativ- und Medienbranche oder von Hochschulen geprägt ist. In Köln etwa liegt die Befristungsquote bei Neueinstellungen bei 61,4 Prozent, in Potsdam bei 59,7 Prozent und in Berlin bei 52,8 Prozent.

Die regionalen Daten, aufgeschlüsselt nach Kreisen und Städten, können auf einer interaktiven Landkarte der Stiftung abgerufen werden.

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