Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind Krisenzeiten Bewährungszeiten für Unternehmen. In der Corona-Pandemie erwarten sie verantwortungsbewusstes und sozialpolitisches Verhalten von den Unternehmen. Fehlverhalten wird nicht gebilligt, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Unternehmen sollen sozialpolitische Verantwortung übernehmen – gerade in der Pandemie: Knapp zwei Drittel (63,1 %) der befragten Konsumenten geben an, sie würden auf ein Fehlverhalten von Firmen mit einem Kaufboykott reagieren. Drei Viertel aller Befragten erwarten zudem dauerhaft verantwortungsbewusstes Verhalten der Unternehmen.

Nach eigenen Angaben reagieren die Verbraucher besonders sensibel gegenüber Konzernen und ihren Töchtern, die sich in der weltweiten Seuche unangepasst verhalten. Dazu zählen Dividendenausschüttungen wie Bonizahlungen, aber auch das Mindern von Mieten oder ein mangelnder Schutz von Mitarbeitern. Rund 63 Prozent der Umfrageteilnehmer würden keine Produkte von solchen Unternehmen erwerben.

Die Bereitschaft zum Boykott steigt mit zunehmenden Lebensalter: Knapp die Hälfte der Altersgruppe der 18- bis 29jährigen würde derart unangemessen reagierende Unternehmen bei Käufen links liegen lassen, bei den über 64jährigen klettert diese Quote sogar auf knapp 69 Prozent. Am weitesten verbreitet ist die Bereitschaft zum Kaufstreik bei den Wählern der Grünen und denen der SPD.

„Die Frage, ob ein Unternehmen die Werte seiner Kunden teilt, gewinnt immer größere Bedeutung“, betont Susanne Marell, Geschäftsführerin von Hill+Knowlton Strategies in Deutschland. Sie weist darauf hin, dass sich gerade in Krisenzeiten „Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen“ könnten.

Verbesserungsbedarf zeigte sich in der Umfrage, die von Hill+Knowlton bei Civey beauftragt worden war, bei etlichen Unternehmen in ihrer Funktion als Arbeitgeber. Denn ein gutes Viertel (29,6 %) der Befragten verneinte die Aussage, die Arbeitgeber würden sich gegenüber den Beschäftigten in der Pandemie verantwortungsvoll verhalten.

Mehrheitlich sind die Berichte der Arbeitnehmer positiv. So verteilen viele Arbeitgeber Hygieneartikel (60,7 %), bieten flexible Arbeitszeitmodelle (39,6 %) oder unterstützen das Arbeiten im Homeoffice (29,4 %). Angebote für „die mentale Gesundheit“ erhalten außerdem 12 Prozent der Befragten. Keinerlei besondere Unterstützung in der Krise erfährt rund jeder Fünfte.

Konkrete Unterstützungsangebote in der Pandemie bezeichnet Susanne Marell als ein Signal der Wertschätzung für Arbeitnehmer: „Wo dieses Signal fehlt oder Maßnahmen nicht angemessen kommuniziert werden, wird die Mitarbeiterbindung kurz- und mittelfristig erodieren.“

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